[Rezension] Lieber Daddy Long Legs von Jean Webster

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

Meinung

Schon als Nicci und Stella von diesem Buch auf ihren Blogs berichteten und ich das wunderschöne Cover sah, wusste ich: Dieses Buch möchte ich unbedingt lesen. Ich hatte zwar im Hinterkopf, dass ich die Geschichte von irgendwoher kennen müsste, ich kam aber nicht drauf. Irgendwann fiel mir dann ein, dass wir im Englischunterricht in der 12. Klasse eine Kurzfassung dieses Werkes lesen mussten. Nicht sehr anspruchsvoll, trotzdem ist es mir in Erinnerung geblieben. Ich wusste daher auch, wie dieses Buch ausgehen würde, aber darum ging es diesmal nicht – sondern um die Geschichte an sich. Einfach um die Lust und das Vergnügen am Lesen selbst.

IMG_2727

 

Ich kann ehrlich gesagt gar nicht mit dem Schwärmen aufhören, denn der Königskinder Verlag hat wahrhaftig eine wunderschöne und fabelhafte Ausgabe erschaffen. Vom Cover bis zu den innen liegenden Illustrationen, ein kleines Kunstwerk.

Die Geschichte ist auch wirklich Zucker. Vom Waisenkind zur Collegestudentin, in nur einem Atemzug. Jerusha – Judy – Abbotts Leben hat sich in Windeseile um 360 Grad gedreht und sie ist mehr als überwältigt. Durch die Briefform liest sich das Buch selbstverständlich anders als ein Buch in Prosa, aber vielleicht ist es auch gerade die Form, die das Buch so leicht zu lesen macht. Hinzu kommt die absolut wandelnde, abwechslungsreiche Art, wie Judy ihre Briefe verfasst. Mal sehr förmlich, mal kindlich, mal trotzig … es ist jedes Mal wieder eine Überraschung und sehr angenehm zu lesen.

Die Zeit, zu der das Buch geschrieben wurde, ist schon ein gutes Jahrhundert her, wie auch die Art, wie damals studiert wurde. Judy belegt so ziemlich alles, was sie gerade möchte – querbeet. Hätte ich selbst ziemlich gerne gemacht, geht aber heutzutage nicht, zumindest nicht an der spanischen Uni, an der ich studiert habe. Schade eigentlich. So manch ein Kurs wäre dem zum Opfer gefallen, aber vielleicht hätte ich die ein oder andere (für mich) sehr interessante Sache gelernt.

Durch dieses Buch bin ich auch wieder auf einige Klassiker aufmerksam geworden. Klassische Schriftsteller und Poeten, die ich schon seit der 13. Klasse nicht mehr gelesen habe. Ich denke, ich werde in den nächsten Wochen den ein oder anderen recherchieren und mal schauen, was ich so finde. Byron. Oder Shelley. Oder mal wieder die Bronte-Schwestern.

Die Protagonistin selbst war von Anfang an ein gebildetes, höfliches Mädchen, dass recht gut weiß, was sie im Leben erreichen möchte und vor allem, was sie nicht möchte. Es hat unheimlichen Spaß gemacht ihre Entwicklung im Studium durch die Briefe an den geheimnisvollen Daddy Long Legs zu lesen.
Viel mehr verraten möchte ich natürlich nicht, auch wenn ich noch stundenlang von diesem Buch erzählen könnte 🙂

Fazit

Ein absolut fantastischer Klassiker in einer atemberaubend schönen Aufmachung durch den Königskinder Verlag. Wer mal einen entspannten, etwas anderen Lesenachmittag verbringen möchte, der nehme bitte dieses Buch zur Hand. Aus purer Freude am Lesen.

Dank der Schwärmerei ist es ganz klar ein Herzensbuch.


Infos zum Buch:

Titel: Lieber Daddy Long Legs
Autor: Jean Webster
Seiten: 256
ISBN: 978-3-551-56044-5
Verlag: Königskinder
Erstausgabe: 29. September 2017



Mit anderen Worten

„Interessant fand ich vor allem den Aspekt, dass das Buch 1912 erstmals veröffentlicht wurde, die Thematik und der Stil dennoch nicht altbacken wirkte, sondern nach wie vor präsent ist, denn es geht um eine junge Frau, die ihre Rolle in der Gesellschaft finden will und sich dabei aktiv mit Aspekten wie Rollenklischees, Bildung, Berufen, Freundschaft, Familie, Konflikten mit Gleichaltrigen und Autoritätspersonen auseinandersetzt und sich selbst dabei nicht aus den Augen verliert.“Nicci Trallafitti

„Die Sprache des Buches ist wunderschön. Hier hat die Übersetzung ganze Arbeit geleistet denn auch sie transportiert noch viele Gefühle und ist noch dazu typisch für die Zeit, in der das Buch veröffentlicht wurde.“Miss Foxy reads

6 Gedanken zu “[Rezension] Lieber Daddy Long Legs von Jean Webster

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s