[Rezension] Grischa #1 Goldene Flammen von Leigh Bardugo

Alina ist einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Dass sie heimlich in Maljen verliebt ist, ihren besten Freund seit Kindertagen, darf niemand wissen. Schon gar nicht Maljen selbst, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Bei einem Überfall rettet Alina Maljen auf unbegreifliche Weise das Leben. Doch was sie da genau getan hat, kann sie selbst nicht sagen. Plötzlich steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und wird zum mächtigsten Grischa in die Lehre geschickt. Geheimnisvoll und undurchschaubar, wird er von allen der Dunkle genannt. Aber wieso fühlt sie sich von ihm so unwiderstehlich angezogen? Und warum warnt Maljen sie so nachdrücklich vor dem Einfluss des Dunklen?

Ende April erfuhr ich durch eine Facebook-Gruppe, dass der dritte Teil der Grischa Trilogie neu aufgelegt werden sollte. Seit diesem Zeitpunkt habe ich die Homepage des Carlsen Verlags regelrecht gestalkt, ich wollte auf keinen Fall den Zeitpunkt verpassen, an dem die Bestellungen des Buches freigeschaltet werden würden.
Am 2. Mai war es endlich so weit – ich konnte sogar eins ergattern. Und als ich es fünf Tage später endlich in den Händen hielt … pures Glück im Leben eines Bücherwurms, sag ich euch.

Noch auf der Arbeit überlegte ich, ob ich am selben Abend mit dem ersten Teil beginnen sollte oder nicht. Nun … meine Neugier war in den letzten Monaten ins Unermessliche gestiegen. Warum wurden diese Bücher so wahnsinnig gehyped, dass auf eBay und Co. Unsummen dafür verlangt wurden? Das musste ich selbstverständlich so schnell wie möglich aufklären.
Kann ich den Hype nachvollziehen?

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Zuallererst blieb ich an der Erwähnung der verschiedenen Arten von Grischa hängen. Ich versuchte mir die Namen und Zuordnungen einzuprägen, gab den Versuch aber sehr schnell wieder auf, weil ich genau wusste, dass ich zwei Seiten später schon wieder alles vergessen haben würde. So blätterte ich zwar drei, vier Mal am Anfang der Geschichte zurück, um mich daran zu erinnern, aber im Lauf des Buches war das gar nicht mehr nötig.

Als nächstes musste ich die Karte näher in Augenschein nehmen, die finde ich meist sehr beeindruckend. Solange sie nicht spoilern – das ist mir auch schon einmal passiert. Es ist immer spannend, wenn man den Weg der Protagonisten nachverfolgen kann und schon direkt am Anfang zu spekulieren beginnt, wo der Weg einen hinverschlagen mag. Im Nachhinein betrachtet, verrät die Karte mehr als man denkt. Man weiß es nur nicht. 😉

Das Setting in Grischa ist ein ganz anderes. Wo die meisten bekannten Stories amerikanisch oder deutsch angehaucht sind, spielt bei dieser ein russisches Flair mit. Somit sind einige der Namen für diejenigen unter uns, die diese Sprache weder gelernt haben noch sprechen, doch etwas kompliziert, das muss ich zugeben. Letztendlich jedoch eine Sache der Gewohnheit. Auch wenn es mir am Anfang etwas schwer fiel in die Geschichte reinzukommen, aufgrund von Namen, den verschiedenen Grischa-Arten, so schüttelte ich dieses nervige Gefühl recht schnell ab, um mich ganz der Story und dem einfachen, angenehmen Schreibstil von Leigh Bardugo hinzugeben.

Alina, die Protagonistin, findet durch Zufall heraus, dass sie doch kein schwächliches, gewöhnliches Mädchen sondern eine Grischa ist. Plötzlich steht ihr ganzes Leben auf dem Kopf und sie wird zur Lehre zum mächtigsten Grischa des Landes geschickt: dem Dunklen. Der erscheint von Anfang an mysteriös, ich konnte diesen Charakter überhaupt nicht einschätzen, da er sehr unnahbar und undurchsichtig aufgebaut ist. Zurecht. Aber das ist ein anderes Thema. Dass sich Alina nicht von Anfang an mit der neuen Situation zurechtfinden würde, war mir irgendwie klar. Jedoch muss ich gestehen, dass sich ihre Lehre dann doch etwas gezogen hat. Einige Stellen kamen mir sehr langatmig vor.
Was Alina sonst anbetrifft, bin ich mir noch nicht absolut sicher, wie ich sie beschreiben soll. Manchmal ist sie emotional, dann wieder absolut kalt. Mal naiv, mal durchdenkt sie ihre Handlungen. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich im Laufe der Bücher entwickeln wird.
Maljen ist meines Erachtens nach, auch nicht einfach zu durchschauen. Zwar scheint ihm wirklich etwas an Alina zu liegen, doch so richtig zum Ausdruck bringen kann er es nicht. Er scheint sehr von sich überzeugt zu sein, trägt die Nase manchmal etwas zu weit oben und plötzlich wirkt er neben Alina regelrecht hilflos. Jedoch fehlt es den Charakteren im ersten Buch noch an Tiefe – meiner Meinung nach.

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Fazit

Ein Setting, wie wir es sonst nicht von der Fantasy Literatur gewohnt sind. Die russisch angehauchte Welt unserer Protagonistin Alina wirft den Leser in völlig unbekannte Dimensionen, die manchmal gar nicht so leicht zu durchschauen sind – wenn man an deutsch-amerikanische Welten gewöhnt ist. Doch trotz der wundervollen Kulissen konnte mich die Story nicht von Grund auf begeistern. Die Protagonisten sind teilweise zu kalt und naiv und der Geschichte selbst hat – trotz sehr interessanten Plot-Twists – das gewisse Etwas, der Aha-Moment gefehlt. Gerechtfertigt finde ich den Hype – aus meiner Sicht – bisher nicht. Was nicht ist, kann bekanntlich aber noch werden.

Doch trotzdem – oder gerade deswegen – habe ich direkt danach zur Fortsetzung gegriffen. Etwas, das ich sehr selten tue. Ich muss einfach wissen, was hinter der Begeisterung steckt und bin gespannt, ob ich diese finden werde.
Außerdem steht Das Lied der Krähen auf meiner Wunschliste, und obwohl es nicht direkt etwas mit Grischa zu tun hat, spielt es doch in derselben Welt. Ein paar Vorkenntnisse sind da bestimmt von Vorteil. 🙂

Ich habe lange darüber nachgedacht, in welche Kategorie dieses Buch einzuordnen wäre … und bin letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass es wirklich ein Zwischending ist.


Infos zum Buch:

Titel: Grischa – Goldene Flammen
Autor: Leigh Bardugo
Seiten: 352
ISBN: 978-3-551-58285-0
Verlag: Carlsen
Erstausgabe: 24. August 2012


Mit anderen Worten

Leider bleiben alle Charaktere für mich eher eindimensional und vor allem Alinas Entwicklung warf bei mir viele Fragen auf. Sie wirkt unheimlich naiv und unsicher, teils auch unsympathisch, was für mich nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine gelungene Story sind.“ – Schwarzbuntgestreift

Leigh Bardugo hat in dem Trilogie-Auftakt „Grischa – Goldene Flammen“ eine Welt geschaffen, welche den Leser kurzweilige Lesestunden schenken wird. Ein Mädchen hin- und hergerissen zwischen ihrer Gabe, Versuchung und Liebe.“ – Nightingale’s Blog

12 Kommentare zu „[Rezension] Grischa #1 Goldene Flammen von Leigh Bardugo

  1. Liebe Wiebi,

    Vielen Dank für diese ehrliche Rezension! Mein erstes Buch von Leigh Bardugo war das Lied der Krähen und es hat mich total begeistert. Viele meinten schon, dass Grisha da nicht ganz mithalten könnte, allerdings sind es ja auch wirklich sehr unterschiedliche Zielgruppen. Grisha werde ich irgendwann wohl mal auf englisch in Angriff nehmen.

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Jill!

      Ich bin total gespannt, ob der zweite Teil besser wird und wie dann der dritte wird. Bisher ist der zweite nicht schlecht, doch Begeisterung ist immer noch nicht so sehr vorhanden. Aber das wird bestimmt.

      Liebste Grüße,
      Wiebi

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  2. Liebe Wiebe,
    eine schöne und konstruktive Meinung hast du das zusammengefasst. Die Grischa-Trilogie habe ich schon vor einigen Jahren gelesen. Für mich war der erste Teil tatsächlich der „Schwächste“. Man merkte, dass es Leigh Bardugos Debüt war.
    Allerdings steigern sich die Folgebände. Vor allem Buch zwei riss mich wirklich mit.
    Ich schätze, der Grund für den Hype ist schlichtweg auch, dass Bardugo ja seither ein regelrechter Superstar unter den YA-Autoren geworden ist. Da gehört die Trilogie zur Sammlung dazu. Einige nützen das entsprechend aus. Und außerdem sind die Hardcover schlichtweg wunderschön aufgemacht und für Fans ein mega Eyecatcher im Buchregal. Da hatten die Carlsen-Grafiker ganz tolle Arbeit geleistet.

    Liebste Grüße,
    Sandy

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    1. Hallo Sandy,

      ich finde auch, dass Carlsen hervorragende Arbeit geleistet hat, die Hardcover Bücher sind ein Traum ❤
      Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, ein bisschen weitergelesen habe ich in Teil zwei schon … Und dann irgendwann kommt "Das Lied der Krähen" – das soll ja besonders toll sein.

      Liebste Grüße,
      Wiebi

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  3. Hallo,

    Den Hype habe ich vor Jahren mitbekommen, die Unsummen nicht… Huch!

    Mir hat der erste Band sehr gut gefallen, was aber vor allem an der Sprache lag, die mir im Original noch um einiges besser gefällt als in der deutschen Übersetzung. Ich fand den Dunklen einen sehr spannenden Charakter, der für mich aber in den Folgebänden etwas verlor.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Mikka!

      Vielen Dank für’s Verlinken – WordPress hat mich gar nicht informiert! 😦

      Ich bin schon sehr gespannt, ob die Folgebände besser werden, aber „Das Lied der Krähen“ soll ja auf alle Fälle toll sein.

      Liebste Grüße,
      Wiebi

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