[Rezension] Fäulnis von Siri Pettersen

Hirka ist in der fremden Welt der Menschen gestrandet. Hier trifft sie auf Menschenjäger und Totgeborene und sehnt sich nach Rime, ihrem einzigen echten Freund. Doch ihr Kampf ums Überleben verblasst, als sie die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt und verstehen lernt, dass die Quelle der Fäulnis seit über tausend Jahren nach Freiheit strebt. Das Schicksal zweier Welten und derjenigen, die sie liebt, scheint immer mehr in Hirkas Händen zu liegen …

Vorweg: Es handelt sich um ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Arctis Verlag und die Netzwerk Agentur Bookmark für die Bereitstellung.


Solltet ihr den ersten Band noch nicht kennen, wollte ich euch vorwarnen: Es wird den ein oder anderen Spoiler zu Odinskind geben.

Es ist 20.20 Uhr, ich habe das Buch vor zehn Minuten beendet. Seitdem sitze ich nun am Küchentisch, die Hände auf der Tastatur, den Blick auf das Buch gerichtet und habe nicht die geringste Ahnung, wie ich meine Begeisterung in Worte fassen soll. Ich bin sprachlos – und das passiert wirklich nicht oft.

Hirka in der Menschenwelt zu erleben, war eine Erfahrung für sich. Ich bin mir sicher, dass es für sie alles andere als einfach war. Ich hingegen bin richtig geflasht von ihrer natürlichen unverfälschten und unglaublich reifen Art, mit der sie sich durch eine Welt bewegt, die ihr so vollkommen fremd ist. Ich habe selten solch eine kluge und starke Protagonistin erlebt. Manche Situationen sind allerdings auch richtig witzig, wenn sie Worte nicht versteht oder neue Dinge kennenlernt.

Eigentlich sollte niemand in einer Kirche wohnen, so viel hatte Hirka begriffen. […] Sie sagten, dies sei Gottes Haus, aber er war seit Hirkas Ankunft nicht hier gewesen, daher bezweifelte sie, dass er es oft nutzte.

S. 32

Sie zog die Kapuze des Regenponchos über. Es war eine Art Umhang, nicht besonders warm, aber er wog überhaupt nichts und wurde nie nass. Und sie konnte ihn so klein zusammenrollen, dass er Platz im Munde gehabt hätte. Sie hatte es ausprobiert, nur um zu sehen, ob es ging. Zu Hause hätte ihr das niemand geglaubt.

S. 33

Es ist erstaunlich, wie gut sie sich anpasst, wie schnell sie lernt – vor allem die Sprache.
Endlich ist Hirka in der Menschenwelt angekommen, es sollte alles leichter für sie werden, denn hier gehört sie her. Odinskind. Oder?

Auch Rime hat es nicht einfach. Die Geschichte wird wieder im Wechsel der beiden erzählt. Der Nachfolger des Hauses An-Elderin versucht mit aller Macht seinen Platz in Manfalla zu halten und gleichzeitig einen Weg zu finden, Hirka wieder nach Hause zu holen. Doch statt Antworten findet er immer mehr Fragen und wenig Hilfe, diese zu beantworten. Rime ist zwar drei Jahre älter als seine Freundin, dennoch ist er nicht so erwachsen, wie er es manchmal gerne hätte. Doch Manfalla, die Intrigen die hinter den Mauern von Eisvaldr gesponnen werden, nehmen darauf keine Rücksicht. Der Schwarzrock findet sich sehr bald inmitten von Machtspielen und Feinden, die nach seinem Leben trachten.

Fang nichts an, von dem du nicht imstande bist, es zu Ende zu bringen.

S. 512

Beide Protagonisten, gefangen in zwei verschiedenen Welten, weit voneinander entfernt – und trotzdem bewegen sich die beiden Stück für Stück im Laufe der Geschichte aufeinander zu. Das Entdecken der Geheimnisse war richtig grandios. Es gab Plottwists, die wie eine Bombe eingeschlagen haben und wieder andere, die langsam, ruhig und schleichend ihren Weg durch die Seiten zogen. Die Grundspannung blieb aber die ganze Zeit über bestehen. Wäre ich nicht teilweise so müde gewesen, hätte ich das Buch nicht wieder aus den Händen gelegt.

Wie schon erwähnt, bin ich wirklich erstaunt über die Charakterentwicklung Hirkas. Egal was passiert ist, egal wie schlimm es war, sie ist immer wieder aufgestanden, an ihren Gegnern und Feinden gewachsen und hat sich nicht unterkriegen lassen. Ihr einziges Ziel war es, nach Ymsland – und zu Rime – zurückzukehren. Selbst als sie die Wahrheit über ihre Herkunft herausgefunden hatte, ist sie nicht daran zerbrochen, sondern gewachsen.
Rime hat zwar auch in gewisser Weise dazu gelernt, allerdings hatte ich bei ihm eher das Gefühl, dass er sich mehr durch Rachegelüste hat leiten lassen.

Als ich gestern mit Kerstin ein bisschen über das Buch geschrieben habe – sie war schon fertig –, schrieb ich ihr gefühlt alle zehn Seiten nur noch: „Oh mein Gott!“ „Ach du Sch****!“, was sie mit einem „Lies weiter!“ abtat. Sie hatte ja so recht! Die Geschichte ist grandios, der zweite Teile ist in gewisser Weise sogar noch genialer als der erste. Eine Fortsetzung, die sich gewaschen hat.

Fazit
Fäulnis ist episch. In diesen drei Worten steckt eigentlich schon alles drin, was ich über dieses Buch sagen kann. Ich bin begeistert, sprachlos, absolut verliebt. Das Abenteuer mit Hirka geht weiter als ich es mir je hätte vorstellen können und die Protagonistin selbst ist ein so genial aufgebauter Charakter, dass mir die Worte fehlen!
Eine fantastische Fortsetzung eines genialen Auftakts!


Infos zum Buch:

Titel: Fäulnis
Autor: Siri Pettersen
Seiten: 544
ISBN: 978-1-729-33950-3
Verlag: Arctis
Erstausgabe: 31. Januar 2019


Mit anderen Worten

„Fäulnis ist einfach ganz großes Kino! Weltklasse Fantasy vor der ich meinen Hut ziehe! Siri Pettersen hat mit ihrer Rabenringe Trilogie ein wahres Fest für Fantasyleser geschaffen […]“ – Booknerds by Kerstin

Hirka und Rime sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich bin begeistert von der Entwicklung, die diese genommen haben. Siri Pettersen hat für mich eins der großartigstens Fantasywerke geschrieben, die ich bisher lesen durfte. Ich bin mir sicher, noch nichts vergleichbares gelesen zu haben.“ – World of Books and Dreams

Die Story ist neu, unverbraucht und dabei gleichzeitig extrem spannend und fesselnd. Siri Pettersen hat ihre Figuren mit Liebe geschaffen und ihnen die notwendige Tiefe gegeben. Dadurch konnte ich mich in jede Situation problemlos einfühlen.“ – Reading Books

3 Kommentare zu „[Rezension] Fäulnis von Siri Pettersen

  1. Ein episches Buch also … mit einem unfassbar ekligen Titel und einem noch schlimmeren Cover. 🙄

    Moin Trudchen,
    die Rezension klingt wirklich verlockend, aber boah … Ich fand ja den Schwanz bei Odinskind schon gräßlich. Und kein Schutzumschlag, den man abmachen könnte. Ich werde verzichten. Vorerst. Glaube ich. 🤪

    Aber da ja nicht jeder so visuell penibel 👀🤣 unterwegs ist, dürfte allein Deine Rezi doch für gigantische Verkaufszahlen sorgen. Eigentlich sollten Autoren Euch an ihren Erfolgen teilhaben lassen. Und uneigentlich auch. Ist da echt noch nie jemand auf die gleiche Idee gekommen? 🤔

    Schönen Donnerstag. Küssi 😘
    die Mum

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.