[Rezension] Clans von Cavallon – Der Zorn des Pegasus von Kim Forester

Die erbitterten Feindschaften zwischen den Clans von Cavallon kennt Sam Quicksilver nur aus Legenden. Mit seinen Einhorn- und Zentaurenfreunden lebt er friedlich in der Freien Stadt. Kriegerische Einhörner oder gar einen blutrünstigen Pegasus hat er noch nie gesehen.
Doch am Jubiläumstag des Friedenspakts kippt seine Welt aus allen Fugen: Albtraumhafte Kreaturen greifen seine Stadt an. Sie sehen aus wie Pegasus – dabei gelten diese als ausgestorben! Sam bleibt nur die Flucht in die wilden Lande, wo Gefahren lauern und die düsteren Legenden von Cavallon ihren Ursprung haben …

Vorweg: Hierbei handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Arena Verlag für die Bereitstellung


Cavallon wird von fünf Clans bewohnt: Menschen, Zentauren, Einhörner, Kelpies und den sagenumwobenen Pegasus. Das erste Bild, das sich in meinem Kopf formte, war recht witzig. Bei den Zentauren musste ich direkt an Harry Potter denken. Halb Mensch, halb Pferd, sehr eigen und etwas arrogant. Einhörner sind in meinem Kopf schon eher fluffig, weiß, glitzernd und Pegasus, tja. Könnt ihr euch an den Hercules aus Disney erinnern, zu Beginn des Films? So in etwa war Pegasus in meiner Vorstellung.
Allerdings belehrte mich Autorin Kim Forester direkt eines besseren – was auch gut so war. Stellt euch die Mischung vor! 😛

Menschen als Untergebene

Wir Menschen sind in Büchern meist Herrscher über alles. Ob Himmel oder Erde, Berg oder Tal, in vielen Geschichten haben wir die Macht über alle Länder und sämtliche Kreaturen. In Cavallon sind Menschen entweder Handwerker – oder Sklaven! Der Schock sitzt im ersten Moment tief, ich weiß. Aber keine Panik, ich hab mich schnell davon erholt, die Handlung ist nämlich gut.

„Menschen, die lesen und schreiben können?“, staunte Lysander. „Ich bin noch nie einem begegnet.“ […]
Portia schnaubte: „Wirst du auch nicht. Keiner von denen kann wirklich lesen und schreiben. Sie malen einfach nur die Formen der Buchstaben ab.“

S.54

Sam ist ein Mensch, der mit seinen Eltern in der Freien Stadt lebt. Bis auf die Pegasus, die seit einhundert Jahren niemand mehr gesehen hat, leben alle Clans friedlich zusammen. Lesen und schreiben können die wenigsten unserer Artgenossen, einige wenige – wie Sam – bekommen es von Zentauren beigebracht. Das Setting und der Beginn sind etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch sehr interessant. Aber vielleicht ging das auch nur mir so. Pferde in verschiedenen „Formen“ stehen bei mir sonst nicht auf der Leseordnung.

Viel Zeit bliebt auch nicht, um entspannt in die Story einzutauchen, da schon nach wenigen Seiten der Angriff auf die Stadt stattfindet. Dann geht’s richtig los.

Vier Protagonisten – vier Perspektiven

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von drei Menschen und einem Zentauren: Sam, Nixi, Jaren und Lysander. Gleich vier verschiedene Perspektiven ist vielleicht etwas ungewöhnlich, meiner Meinung nach gibt jedoch genau das dem Leser die Chance, die verschiedenen Clans näher kennenzulernen. Drei der Protagonisten sind zwar Menschen, sie sind allerdings nicht allzu lange alleine unterwegs. 🙂

Cavallon steht komplett unter der Herrschaft der Zentauren, wie sich das auswirkt könnt ihr euch vielleicht etwas vorstellen. Lysander ist (fast) der einzige Zentaur, der mir in irgendeiner Form sympathisch ist, der Rest ist mir wirklich zuwider. Arroganz ist nicht gerade eine Eigenschaft, die ich zu schätzen weiß. Aber wer mag das schon?

„Wir sind die Bewahrer der Königswahrheit.“

S.50

Was es wohl mit der Königswahrheit auf sich hat? Und ob die Pegasus wirklich eine Legende sind?

Aufregendes Setting, spannende Handlung

Durch die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten, hält man sich auch an verschiedenen Punkten von Cavallon auf. Eine Karte ist da richtig hilfreich – etwas, mit dem das Buch dienen kann. Ich fand es sogar total unterhaltsam, die Wege von Nixi, Sam, Lysander und Jaren auf der Karte zu verfolgen. Zwar gibt es noch einige unentdeckte Orte in diesem großen Land, doch die werden wir bestimmt im nächsten Band entdecken und besuchen.

Die Handlung selbst fand ich gut aufgebaut. Wie schon erwähnt, wirft Autorin Kim Forester ihre Leser schon nach kürzester Zeit mitten ins Geschehen. Eigentlich ist man noch dabei, sich einen Überblick über die Clans zu verschaffen und schon fliegt alles durch die Gegend. Nur häppchenweise werden Informationen preisgegeben und die meiste Lesezeit bin ich eher mit Ahnungen als mit fundiertem Wissen durch die Seiten geflogen. Richtig, geflogen. Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, die in irgendeiner Weise miteinander verbunden sind, erfährt man hier und da ein paar neue Dinge, doch meist kommt nach einigen Zeilen schon die nächste Frage auf: Wer waren die Kreaturen, die die Stadt angegriffen haben? Warum sind die Zentauren so unsympathisch? Was haben sie zu verbergen?
Fragen über Fragen, die unglaublich viel Spannung aufgebaut haben.

Ich hätte sehr gerne ein bisschen mehr über die Protagonisten und die anderen Charaktere erfahren, doch vielleicht stütze ich meinen Wunsch zu sehr auf meine sonstige Lektüre und ein Vergleich mit Jugendfantasy und Fantasy ist etwas zu optimistisch – und vielleicht auch etwas unfair, es ist immerhin ein Kinderbuch. Außerdem bin ich guter Dinge, dass all meine Fragen und meine Neugier zur Geschichte und den Hintergründen der Charaktere im Folgeband beantwortet werden.

Fazit
Clans von Cavallon – Der Zorn des Pegasus ist ein toller Auftakt einer Buchreihe, die spannend, interessant und lehrreich werden kann. Das Zusammenleben der verschiedenen Clans, das durch vier unterschiedliche Perspektiven dargestellt wird, ist alles andere als harmonisch und schon gar nicht „demokratisch“ (sorry, mir fällt einfach kein besseres Wort dafür ein). Kim Forester baut eine tolle Spannung auf, katapultiert den Leser ohne Vorwarnung in ein interessantes Setting und lässt einen vor Neugier und Wissensdurst fast platzen. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und freue mich schon jetzt auf Juni, wenn Der Fluch des Ozeans erscheint.

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Infos zum Buch:

Titel: Clans von Cavallon – Der Zorn des Pegasus
Autor: Kim Forester
Seiten: 320
ISBN: 978-1-729-33950-3
Verlag: Arena
Erstausgabe: 4. Februar 2019


Mit anderen Worten

„Mit dem ersten Teil von „Clans von Cavallon“ konnte mich die Autorin voll für sich gewinnen.
Ich mag keine Kinderbücher, aber das hier ist einfach absolut genial. Ich liebe den Weltenentwurf, die Umstrukturierung der verschiedenen Völker, die man eigentlich ganz anders kennt.“ – Aus dem Leben einer Büchersüchtigen.

5 Kommentare zu „[Rezension] Clans von Cavallon – Der Zorn des Pegasus von Kim Forester

  1. Moin,
    was für eine merkwürdige Mischung – dreimal Pferd in verschiedenster Form und einmal Mensch. Und das ist irgendwie auch schon alles, was mir dazu einfällt. 😅 Vielleicht, weil es sich mit ihren irdischen Artgenossen genauso verhällt: Sie sind nett anzusehen. Sonst nix. 😋

    Ich bin allerdings beeindruckt, wie diszipliniert Du Deine Rezis abarbeitest. Und zugegebenermaßen auch ein wenig gespannt, ob Du das die nächsten Monate so konsequent durchziehen kannst. 😎 Ich trau Dir das durchaus zu. Ich weiß aber auch, von wem Du abstammst. 😁

    Schönen Dienstag, Küssi 😘
    die Mum

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, da bin ich allerdings auch sehr gespannt. In der letzten Woche hat das nicht allzu gut geklappt, aber das kann nachgeholt werden. Solange nicht solche Stapel entstehen wie auf meinem Schreibtisch …

      Die Tochter :*

      Gefällt mir

  2. Liebe Wiebi,

    auch wenn ich das Cover wirklich toll finde, bin ich ehrlich gesagt ganz froh, dass ich mich für das Buch nicht gemeldet habe. Das hat weder etwas mit der Story zu tun, denn die klingt tatsächlich ziemlich spannend, oder mit den Clans (Hallo? Drei verschiedene Arten von Pferden lassen mein Ponyherz direkt höher schlagen!), aber ich bin mittlerweile einfach kein Freund mehr von Perspektivwechseln. Dass hier gleich vier drin sind, wäre für mich der absolute Overkill gewesen. 😀
    Es freut mich aber, dass dir der Auftakt gut gefallen hat und auch deine Rezi selbst finde ich sehr schön geschrieben!

    Liebst,
    Rika ♥

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Rika,

      Vielen Dank für deine lieben Worte! ❤
      Ich war mir richtig unsicher, ob mir Pferde in einer Geschichte zusagen würde, doch ich hatte irgendwie nicht wirklich das Gefühl, dass es sich um sprechende Tiere handelt. Das war richtig klasse.
      Anfangs waren die Perspektivwechsel ein wenig anstrengend, da ich mir sehr viele Namen auf einmal merken musste. Danach ging es und wurde sogar richtig gut. Hätte auch nie gedacht, dass mich so viele Perspektiven einmal begeistern würden.

      Liebste Grüße
      Wiebi

      Gefällt 1 Person

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