[Rezension] Gemina von Jay Kristoff & Amie Kaufman

Es war recht spontan, als ich letzte Woche zu Gemina von Amie Kaufman und Jay Kristoff griff. Ich hatte mir nach meinem letzten Fantasybuch einen Roman zurechtgelegt und schon ein paar Zeilen gelesen, bis ich bemerkte, dass ich darauf echt keine Lust hatte. Und plötzlich hatte ich Gemina in der Hand.
Ich war Ende 2017 so unglaublich von Illuminae begeistert, meine Erwartungen an den zweiten Teil waren also dementsprechend hoch. Eins kann ich euch jetzt schon sagen: Ich wurde keineswegs enttäuscht.

Phänomenales Design

Waren es im ersten Band der Illuminae Akten Kady und Ezra, die wir auf ihrer Reise durch das Weltall begleitet haben, so begegnen wir nun Nik und Hanna. Die beiden wohnen auf der Sprungstation Heimdall, von der man schon im im ersten Buch ein wenig erfährt.
Zwar hatte ich anfangs ein bisschen Bammel, dass ich mich nicht mehr an das Ende von Illuminae erinnern würde – was auch so war – und demnach nicht gut in die Story einsteigen könnte. Es hat vielleicht zwanzig Seiten gedauert, dann konnte ich mich voll und ganz auf die Geschichte des Autoren-Duos einlassen. Die Gestaltung ist wieder der absolute Wahnsinn! Da das Buch wie ein Dossier aufgebaut ist, gibt es unterschiedliche „Bestandteile“. Mal sind es Transkriptionen von Videoaufnahmen oder Screenshots von Chats unter den Bewohnern der Station. Mein persönliches Highlight waren die Tagebucheinträge von Hanna – gezeichnet von der Bestseller-Autorin Marie Lu. Allein was das Innen-Design anbelangt ist dieses Buch wieder ein wahres Erlebnis. Mal liest man ganz normal, dann auf dem Kopf, dann muss das Buch gedreht werden – Langeweile kann nicht entstehen.

Kommen wir aber zu Story an sich. Konnte diese mich auch überzeugen? Auf jeden Fall! Als ich das Buch beendet hatte, musste ich kurz alles Revue passieren lassen und bin der Meinung, dass die Story eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Angesichts der Spannung, die stetig aufgebaut wird und der Brutalität gewisser Szenen – es gab auch hier wieder Game-of-Thrones-Momente –, klingt das vermutlich mehr als strange. Ich kann absolut nicht sagen, woran es liegt und vielleicht bin ich auch die einzige, die so denkt und fühlt. Falls ihr das Buch gelesen habt, fasst ihr euch wahrscheinlich gerade an den Kopf und fragt euch, ob bei mir noch alles in Ordnung ist. Keine Panik, mir geht’s gut. 😀
Ich denke, dass die Gestaltung selbst auch schon eine bestimmte Spannung auslöst, man möchte wissen, wie der Rest gestaltet ist, was die Autoren sonst noch für den Leser parat halten. Abgesehen davon, dass man wissen will, wie es mit den Protagonisten weitergeht.

Die Prinzessin und der Räuberprinz

Hanna und Nik leben beide mehr oder weniger glücklich auf der Sprungstation, bis diese plötzlich angegriffen wird. Durch den Klappentext könnte man davon ausgehen, dass die beiden in den Klischees der verwöhnten „Prinzessin“ und des verruchten Mafia-Sohnes feststecken. Doch die Autoren enttäuschen ihre Leser nicht durch platte und klischeebehaftete Protagonisten, sondern lassen es richtig krachen. Vor allem Hanna hat mich ein ums andere Mal durch ihre Aktionen überrascht und Charakterzüge ans Licht gebracht, die ich niemals erwartet hätte. Die Entwicklung und Tiefe ist phänomenal.

Durch das Design lässt sich das Buch recht flott lesen. Es sind zwar über 650 Seiten, ich hatte jedoch nie das Gefühl, dass es zu viel sei oder zu langsam voranginge. Eher das Gegenteil. Ich war unglaublich überrascht, wie schnell sich die Story lesen lässt.
Die Plottwists waren übrigens auch nicht ohne. Da sitze ich gefesselt vor Spannung auf dem Sofa, blättere um und auf einmal sage ich nur laut: „Was?!“, bevor ich einige Seiten zurückblättere, weil ich es nicht glauben kann.

Einzig bei dem ganzen Physikkram über Wurmlöcher und dergleichen bin ich ein bisschen ins Trudeln geraten. Da musste ich mich schon ein wenig konzentrieren, damit ich dahintersteigen konnte, was mir die Story mitteilen wollte.

Dennoch bin ich nun mehr als gespannt auf den dritten und letzten Teil und hoffe sehr, dass er noch dieses Jahr erscheint.

Fazit

Und rundum gelungenes literarisches Meisterwerk, das nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch das fantastische Design überzeugt. Mir ist – abgesehen von Illuminae – noch nie ein Buch begegnet, das dem Leser eine gewisse Interaktion – drehen, wenden, geschwärzte Stellen entziffern – abverlangt. Gemina macht unglaublichen Spaß und Lust auf mehr. Lust auf den dritten und abschließenden Teil der Trilogie, die bisher keinerlei Wünsche offen lässt.

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Darum geht’s:

Hanna ist die verwöhnte Tochter des Kommandanten der Sprungstation Heimdall, Nik der zweifelnde Sohn des Mafia-Clans. Beide hadern mit dem Leben an Bord der langweiligsten Raumstation des Alls, bis eine feindliche Kampfeinheit die Station angreift, nach und nach die Bewohner der Station dezimiert, während ein Funktionsausfall des Wurmlochs das Raum-Zeit-Kontinuum zu zerfetzen droht. Hanna und Nik kämpfen nun nicht mehr nur um das eigene Überleben und ihre neu gefundene Liebe – das Schicksal der Heimdall und wahrscheinlich das des gesamten Universums liegt in ihren Händen. Aber keine Panik. Sie schaffen das. Hoffen sie jedenfalls.


Infos zum Buch:

Titel: Die Illuminae Akten_02 – Gemina
Autor: Amie Kaufman & Jay Kristoff
Seiten: 672
ISBN: 978-3-423-76232-8
Verlag: dtv
Erstausgabe: 21. September 2018


Mit anderen Worten

„Gemina steht seinem Vorgänger Illuminae in nichts nach. Genial gestaltet, packende Handlung und sehr toughe sowie sympathische Charaktere. Alles, was gute Unterhaltung braucht.“ – Book Walk

„Wie nicht anders zu erwarten haben Amy Kaufman und Jay Kristoff mit Gemina eine atemberaubende Fortsetzung geschaffen, die dem ersten Band, zumindest in meinen Augen, in nichts nachsteht.“ – Letterheart

„Eine Reihe, die gelesen werden muss. Jay Kristoff und Amie Kaufman schreiben die Literaturszene neu und kreieren Werke, die gelesen werden müssen.“ – Sarah Ricchizzi

6 Kommentare zu „[Rezension] Gemina von Jay Kristoff & Amie Kaufman

  1. Oh, wow, das klingt toll! Ich hatte die Bücher bisher noch nicht genauer angesehen, aber mal auf die Liste gesetzt. Dass sie innen auch einen detailreichen Schatz beinhalten wusste ich nicht. Zeit, Sie mir zu holen;) Lg, Kathrin

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