[Rezension] Die Runenmeisterin von Torsten Fink

Danke an Thienmann-Esslinger und Netzwerk Agentur Bookmark für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Ein Geheimnis jagt das nächste und jedes Mal, wenn man der Lösung auf der Spur ist, geschieht irgendetwas, sodass man denkt, die Enthüllung wäre für immer verloren. So ging es mir in Die Runenmeisterin von Torsten Fink. Der Autor weiß, wie man den Leser durch die Seiten jagt, atemlos von einer Schnitzeljagd in die nächste quer durch die Sturmlande.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, bin mit gewissen – aber klitzekleinen – Erwartungen an die Geschichte rangetreten und habe etwas anderes erhalten, als gedacht. Protagonistin Ayrin hat eine Gabe, keine Frage. Doch eine Meisterin? Mit ihrer ungeduldigen Art, ihrem frechen Mundwerk und ihrer Angewohnheit, ihre Nase ständig in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen, hat sie dennoch ein gutes Gespür für das, was um sie herum passiert. Auch, wenn sie das mehr als einmal in Schwierigkeiten bringt.
Ihr Zwillingsbruder Baren wird als sehr ungeschickt und einfältig dargestellt, was mich persönlich wirklich gestört hat. Es hatte manchmal fast den Anschein, als wäre er weniger wert, nur weil er nicht mit Runen umgehen konnte oder sich nicht so geschickt dabei anstellte, Lesen und Schreiben zu lernen.

In der Tiefe liegt die Macht

Die Charaktere selbst fand ich etwas platt. Die Zwillinge Ayrin und Baren sind ohne Zweifel talentiert, Ayrin in der Kunst der Runen und Baren ist handwerklich geschickt, jedoch ist dies so circa das einzige, das über die beiden im Laufe der Geschichte preisgegeben wird. Selbstverständlich wird ein wenig über ihre Vergangenheit bekannt, doch eine wirkliche Entwicklung findet in meinen Augen nicht statt, was unglaublich schade ist. Auch über die Nebencharaktere erfährt man wahnsinnig wenig. So ist ihr Lehrer, Runenmeister Maberic einfach nur mürrisch, Thimin ist leichtsinnig und über den Rest erfährt man kaum etwas. Auch die Hintergründe der Antagonisten bleiben im Verborgenen.

Eine geniale Grundidee

Trotzdem ist die Welt, die Autor Torsten Fink geschaffen hat, richtig genial. Runen, Drachen, Magie und wie alles miteinander verbunden und voneinander abhängig ist, war sehr interessant zu entdecken. Durch den angenehm leichten und doch fesselnden Schreibstil des Autors fliegt man förmlich durch die Seiten und möchte all die Geheimnisse lösen, die sich vor einem auftun. Darüber vergisst man fast, dass die Charaktere selbst gar nicht mal so spannend sind.

Vor allem das letzte Drittel des Buches hatte es in sich. Und zwar so sehr, dass die Seiten immer weniger wurden und meine Panik, dass sich alles aufklären würde, immer größer. Ein Ereignis jagte das andere, plötzlich wurden unzählige Rätsel gelöst und ich wurde stets nervöser. Doch keine Sorge, nicht alles wird aufgeklärt, so handelt es sich doch um eine Reihe.

Wie schon zu Anfang erwähnt, bereisen unsere Protagonisten gemeinsam mit Lar (so nennen sich die Runenmeister) Maberic die Sturmlande. Und wisst ihr, was mir total gefehlt hat? Eine Karte! Ich bin wirklich ein großer Fan von Karten in Büchern, denn so kann der Leser sich – sofern er es denn wünscht – unglaublich gut orientieren. Und das hat mir dieses Mal wirklich schmerzlich gefehlt. Denn ob Nord, Süd, links, rechts, oben oder unten, ich habe relativ schnell den Faden verloren, wo die einzelnen Orte liegen und wo man nun eigentlich hingereist ist. Irgendwie schade …

Fazit

Die Runenmeisterin hat enormes Potenzial, das in meinen Augen zu sehr verschenkt wurde. Die Idee hinter dem Buch ist genial – Magie, Drachen, Runen, da schlägt das Fantasyherz höher. Allerdings sind die Charaktere zu platt, als dass man mit ihnen irgendeine Bindung eingehen könnte und gegen Ende geht alles ziemlich schnell, sodass man als Leser Angst bekommt, der Autor würde alles auf einmal auflösen. Ich hoffe, dass Ayrin, Baren, Maberic und Co. in der Fortsetzung an Tiefe gewinnen und sich auch eine Entwicklung abzeichnet.


Darum geht’s

Eher unfreiwillig landen die Zwillinge Ayrin und Baren beim kauzigen Runenmeister Maberic vom Hagedorn. Nun ziehen sie mit ihm durchs Land und erlernen die Magie der Runen. Ein Handwerk, das viel gefährlicher ist, als es den Anschein hat. Bald geraten die Zwillinge in ein Spiel finsterer Mächte, in dem Hexen, Drachen und die magische Urkraft selbst im Verborgenen ihre Fäden spinnen. Als sich Ayrins großes magisches Talent offenbart, wird klar, dass die Zwillinge etwas mit den Mächten, die die Menschheit bedrohen, verbindet. Woher stammt Ayrins Kraft? Schlummert etwas Dunkles in dem Mädchen? Wird Ayrins Kunst, die Runen zu zeichnen, am Ende über das Schicksal der Menschen entscheiden?


Infos zum Buch:

Titel: Die Runenmeisterin
Autor: Torsten Fink
Seiten: 448
ISBN: 978-3-522-20256-5
Verlag: Thienemann-Esslinger
Erstausgabe: 11. Februar 2019


Mit anderen Worten

„Sehr spannend, abwechslungsreich und stimmig gemacht, leider mit relativ vielen losen Enden. Ich hoffe doch sehr, dass wir Leser uns irgendwann über eine Fortsetzung freuen dürfen.“ – Booknaerrisch

„Insgesamt ist das Buch zwar ganz unterhaltsam zu lesen und für Zwischendurch eignet es sich prima, es fehlt ihm aber an Tiefe und Komplexität.“ – Miss Page-Turner

„Die Runenmeisterin von Torsten Fink konnte bei mir leider nicht halten, was mir der Klappentext versprochen hat. Zwar hat es mir das mittelalterliche Setting, die atmosphärische Stimmung und die Grundidee richtig angetan, das ABER überwiegt allerdings. Ganz deutlich fehlt mir einfach die Tiefe in allem […]“ – Booknerds by Kerstin

2 Kommentare zu „[Rezension] Die Runenmeisterin von Torsten Fink

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