Wenn die eigene Stille dich zu ersticken droht

Manch einer mag es vielleicht gemerkt haben – ich schweige. Ich habe geschwiegen. Tage-, wochen-, monatelang. Und das, obwohl es so viel zu erzählen gibt.
Neue Filme, neue Bücher, tolle Erlebnisse. Und dennoch blieb es still.

Einige werden jetzt denken: Ist doch gar nicht so schlimm. Manchmal ist das eben so. Und dann kommt man mit sehr viel Energie und vielen neuen Idee wieder.
Das dachte ich zuerst auch. Und plötzlich wurde diese Stille schwer. So schwer, dass ich dachte, ich würde erdrückt werden. Das Verlangen zu schreiben, zu kommunizieren, Bilder zu machen und zu lesen wurde immer größer. Aber es ging einfach nicht. Kein Buch konnte mich fesseln – den Part übernimmt jetzt hoffentlich Dry von Neal und Jarrod Shusterman. Kein Wort wollte aus meinen Fingern auf den Bildschirm oder das Papier fließen. Und kein Motiv war gut genug, um fotografiert zu werden.

Zwischendurch habe ich vor lauter Frust die Kamera ausgepackt, ein klein wenig was arrangiert und ein Foto geschossen. Und damit war es dann auch schon wieder vorbei. Einen Text für das Bild? Oh je. Dann bräuchte ich aber die Kraft dazu, mich hinzusetzen und zu schreiben. Und schon war die Sache wieder vorbei.

Der Druck wurde immer größer. Du verlierst den Anschluss. Keiner erinnert sich mehr an dich. Keiner wird dich mehr lesen, wenn du nicht bald etwas schreibst. Die Welt ist so schnell, du musst mithalten.
Solche und ähnliche Gedanken sind mir durch den Kopf geschossen. Und dann? Habe ich mir zwei Euro in die Hosentasche gesteckt, mir meine Hausschlüssel geschnappt und bin Eis essen gegangen. Abend für Abend. Ich habe auch meine Freunde so häufig gesehen wie noch nie. Ich habe jede Minute genossen. Doch sobald ich wieder zu Hause war, kamen auch die stillen Vorwürfe wieder.

Ich liebe meinen Blog – keine Frage. Ich liebe meine Bücher. Ich liebe es, zu lesen. Mich wieder und wieder zu verlieben. Mich emotional zerstören zu lassen – selbstverständlich nur von Geschichten. In ein Buch abzutauchen, mich darin zu verlieren und zu merken, dass es viel zu schnell wieder vorbei ist. Mich darauf zu freuen, endlich nach Hause zu kommen, um weiter lesen zu können. Ein neues Buch zu beginnen. Ein schon gelesenes Buch neu kennenzulernen. Die Augen zu verdrehen, weil die Protagonisten wieder Murks machen. Den Bösewicht hassen. Den Bad Boy lieben. Fremde Welten zu erkunden.
All das ist ein Teil von mir. Das bin ich. Und das wird sich nicht ändern. Ich werde weiterhin zur Kamera greifen. Rezensionen und Beiträge schreiben. An Aktionen teilnehmen.

Doch ich werde bewusster mit meiner Zeit umgehen. Werde ich etwa erwachsen? Keine Sorge, nein.
Aber ich habe endlich begriffen, dass ich meinen eigenen Rhythmus finden muss. Ich bin mein eigener Maßstab. Nicht der von mir geliebte andere Blogger mit Tausenden von Followern. Nicht die Bookfluencer auf Instagram. Sondern ich und nur ich allein. Und wenn mir mal zwei Wochen nicht nach lesen ist – was ich echt nicht hoffe –, dann ist das eben so. Wenn ich nicht schreiben möchte, dann tue ich es nicht. Dann geh ich eben Eis essen. Oder spaziere durch den Kurpark meiner Stadt. Oder fotografiere Sonnenblumen und Bienen wie heute Mittag. Der einzige Druck, den ich habe, mache ich mir selbst. Und wir sind doch alle hier, um Spaß zu haben, oder?

5 Kommentare zu „Wenn die eigene Stille dich zu ersticken droht

  1. Liebe Wiebi 🙂

    Ja, ja und nochmal ha verdammt. XD Genau so ist es. Schau, ich war seit 4 Monaten nicht mehr wirklich aktiv. Vermisse ich es? Ja! Bereue ich es gerade nicht aktiv zu sein? Nein! Denn es gibt gerade wichtigeres und das ist okay. Die Zeit kommt wieder und darauf freue ich mich. Das ist wichtig. Spaß am Hobby und bloß kein Druck. Also genieß dein Eis! 😉

    Liebste Grüße aus der Versenkung
    Ella ❤

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich habe es gemerkt, und ich bin froh, wieder mal von dir zu hören, auch wenn es kein regulärer Blogpost war. Ich hoffe genauso wie du, dass dich die Leselust nicht zu lange verlässt, und wünsche dir viel, viel Spaß bei allem, was du liebst – also nicht nur an Büchern 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Hey Wiebi,
    ich finde es super, dass du du bist. So bist du genau richtig. Und ich lese gerne deinen Blog, auch wenn wochenlang erst mal nichts kommt. ❤ Denn wie du schon sagst. Es soll Spaß machen. So wie jedes andere Hobby auch. 🙂

    Hab einen tollen Abend. 🙂

    Ganz lieben Gruß

    Steffi
    angeltearz liest

    Gefällt 1 Person

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