[Rezension] Dry von Neal & Jarrod Shusterman

Noch nie in meinem Leben hatte ich solchen Durst beim Lesen.
Noch nie habe ich mir wirklich Gedanken darüber gemacht, dass ich nie Wasser kaufe, sondern immer nur aus der Leitung trinke.
Jetzt ist alles anders.

Dry regt zum Nachdenken an. Dry erschüttert. Dry ist wahnsinnig gut. Realitätsnah. Erschreckend.

Das Buch, das einen aus der Leseflaute geholt hat, ist und bleibt etwas Besonderes. Wenn genau diese Geschichte jedoch auch noch unglaublich gut ist, bleibt sie doppelt in Erinnerung.

Durst. Die ganze Zeit.

Stellt euch vor, es gäbe von jetzt auf gleich kein Wasser mehr. Aus der Leitung kommt nichts mehr und als ihr im Supermarkt ankommt, ist alles ausverkauft. In jedem Supermarkt. Ohne Vorwarnung. Hilfe ist keine in Sicht.
Wenn ihr euch das vorstellen könnt, dann befindet ihr euch mitten in Dry.

Falls Perspektivwechsel so gar nicht euer Ding sind, wird dieses Buch vermutlich nichts für euch sein. Abgesehen von den beiden Protagonisten Alyssa und Kelton kommen im Laufe der Story noch zweieinhalb Perspektiven dazu, plus Zwischenkapitel. Persönlich finde ich diese Wechsel immer sehr erfrischend und muss auch in diesem Fall sagen, dass ich es interessant fand, nach und nach in die Köpfe der einzelnen Charaktere schauen zu können. Auch die Zwischenkapitel fand ich sehr cool, obwohl es gegen Ende des Buches immer weniger wurden und ich gerne ein paar mehr gelesen hätte.
Durch viereinhalb Charakter-Perspektiven muss ich allerdings sagen, dass anderthalb ein wenig zu kurz kommen. Für meinen Geschmack erfährt man nur über drei Personen wirklich etwas, der Rest gehört zwar dazu, aber es fehlt an Tiefe.

Vertrauen oder Vorbereitung?

Alyssa und Kelton könnten verschiedener nicht sein. Sie ist recht beliebt in der Schule, er ist ein Außenseiter. Er wurde erzogen, um im Katastrophenfall überleben zu können, sie vertraut auf Behörden & Co. Und auch wenn Alyssa Kelton anfangs auch für einen Spinner hält, merkt sie recht schnell, dass sie ohne ihn keine Chance hat, den Tap-Out – so wird der Wasser-Stop genannt – zu überstehen.
Beide Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte ein ganzes Stück weiter, was in sechs Tagen zwar echt schnell ist, angesichts der Umstände, in denen sie sich befinden, vermutlich jedoch „normal“ ist.
Zwar gibt es zu Beginn gewisse romantische Züge, doch die Geschichte kommt komplett ohne Lovestory aus. Was auch mal ganz erfrischend ist.

Der Schreibstil von Neal und Jarrod Shusterman könnte besser nicht sein. Die detailreichen Beschreibungen haben mir mehr als nur einmal Gänsehautfeeling beschert und ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden gut recherchiert haben, was mit Menschen im Falle einer Dehydrierung passiert. Wie Menschen reagieren. Was sie bereit sind zu tun. Wie weit ein Mensch gehen würde, nur um sein eigenes Überleben zu sichern. Egoismus liegt in der Natur des Menschen. Und gerade in diesem Buch erfährt man, wie weit die Leute gehen. Zum einen klingt es für mich selbstverständlich logisch – man will schließlich weiterleben. Zum anderen bin ich der Meinung, dass man genau das, was die Menschlichkeit ausmacht, genau in dem Moment ausgeschaltet wird. Und das ist absolut erschreckend.

Die Spannungskurve wird direkt zu Beginn aufgebaut und zieht sich wie eine Berg-Tal-Fahrt durch das gesamte Buch. Ich wurde von der ersten Seite an in den Bann der Geschichte gezogen und wollte sie gar nicht mehr weglegen. Wenn Arbeit und Schlaf nur nicht wären … 😛
Was ich allerdings ein wenig schade fand, ist das Ende. Es kommt so abrupt. Da hätte ich mir schon noch die ein oder andere zusätzliche Erklärung gewünscht, hätte gerne erfahren, wie es Person X ergangen ist, warum gewisse Dinge geschehen oder eben nicht geschehen sind. Mit dem Ende selbst bin ich sehr zufrieden, nur die Länge sagt mir nicht zu.

Fazit

Spannung, Gänsehautfeeling und Nervenkitzel pur – von der ersten Seite an!
Dass Neal Shusterman etwas von seinem Metier versteht, wissen wir spätestens seit Scythe. Dass sein Sohn auch richtig talentiert ist, merkt man in diesem Buch. Ich bin unglaublich begeistert von der Geschichte – und geschockt zugleich. Ich kann es euch nur wärmstens ans Herz legen. Aber stellt euch lieber ein Glas Wasser daneben. 😉

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Infos zum Buch:

Titel: Dry
Autor: Neal & Jarrod Shusterman
Seiten: 448
ISBN: 978-3-7373-5638-1
Verlag: Sauerländer
Erstausgabe: 22. Mai 2019


Darum geht’s

Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
Niemand glaubte, dass es so weit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.


Mit anderen Worten

„Realistisch, spannend, erschütternd. Neal und Jarrod Shusterman haben mich mit ihrem Schreibstil in die Geschichte gesogen. Ich bin hin und weg von dieser völlig aufwühlenden Story. Eine absolute Leseempfehlung für Dystopie-Liebhaber!“ – Nenis Welt

„Neal und Jarrod Shusterman führen uns in DRY durch ein nicht ganz so unreales Zukunftsszenario, in dem die Wasserknappheit ganz neue Ausmaße ausnimmt. Sie zeigen auf schockierende und authentische Art, wie sich der Mensch entwickelt, wenn es durch einen plötzlich Tap-Out (Abschalten von Wasserzufuhr) um das blanke Überleben geht.“ – Booknerds by Kerstin

„Neal und Jarrod Shusterman haben mit Dry eine herausragende Arbeit geleistet, ein Buch, das ich wirklich jedem nur ans Herz legen kann und das bei mir die unterschiedlichsten und vor allem intensivsten Gefühle hervorgerufen hat. Noch nie in meinem Leben hatte ich solch einen Durst, so eine Panik, dass ich in der gleichen Situation landen könnte.
Lest. Dieses. Buch.“ –  Letterheart

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