[Rezension] Project Jane – Ein Wort verändert die Welt von Lynette Noni

Dystopien zu lesen, macht mir immer mehr Spaß. Einerseits ist es unglaublich erschreckend, was sich so mancher Autor für unsere Zukunft so ausgemalt hat, andererseits finde ich es auch faszinierend. Nicht alles sind Katastrophen.
Lynette Noni hat mich mit Project Jane absolut in ihren Bann gezogen. Eine unglaublich spannende Geschichte über die Auswirkungen von medizinischen Experimenten.

Kein Wort kommt ihr über die Lippen

Fünf Wörter. Mehr hat es nicht gebraucht, um mich komplett zu fesseln.

Sie nennen mich »Jane Doe«.

S. 7

Wieso? Warum? Weiß sie ihren Namen nicht mehr? Will sie ihn nicht verraten? Warum kennt sie dort keiner? Was ist mir ihr passiert?
All diese Fragen schossen mir in Rekordgeschwindigkeit durch den Kopf. Ich wollte unbedingt wissen, wie dieses Mädchen heißt, wollte ihre Geschichte erfahren, wissen, was mit ihr geschehen ist. Und, selbstverständlich, ob sie aus der Sache wieder rauskommt.

Es wird ziemlich schnell klar, dass sie dort, wo sie sich befindet, nicht freiwillig hingelangt ist. Allein schon die Tatsache, dass sie exakt weiß, wie viele Tage, Stunden und Minuten sie an diesem Ort ist, macht einem klar, dass sie verzweifelt ist. Dort nicht sein will. Jedoch auch nicht rauskommt.

Worte sind Leben. Worte sind Tod. Und sie füllen jeglichen Raum dazwischen.

S. 20

Auch wenn man es anfangs nur mit Jane Doe und ihren Betreuern zu tun hat – von denen einige direkt unsympathisch sind –, kommen nach ein paar Kapiteln neue, interessante Charaktere ins Spiel. Doch kann man ihnen trauen? Das ist die große Frage, die sich auch unsere Protagonistin stellen muss. Was genau geht dort in Lengard, der Einrichtung, in der sie sich befindet, eigentlich vor. Was hat es damit auf sich? Fragen über Fragen und doch erhält sie – und wir als Leser – kaum Antworten.

Jane selbst ist zu Beginn der Story unglaublich unsicher. Sie hält sich für gefährlich, scheint niemandem über den Weg zu trauen – am wenigsten sich selbst. Ihre Ängste und Gefühle konnte ich sehr gut nachvollziehen, mich in sie reinversetzten. Was mich jedoch ein wenig in ihrer Entwicklung gestört hat: Sie wird plötzlich naiv. Das kommt selbstverständlich nicht von ungefähr, da spielt ein männlicher Gegenpart eine Rolle. Zum einen verstehe ich, dass sie sich nach jemandem sehnt, dem sie vertrauen kann. Jedoch scheint sie ab dem Moment, in dem Ward auftaucht, zu vergessen, wo sie überhaupt ist. Sie wirft all die Bedenken über Bord, die sie sich in den Jahren, in denen sie schon in Lengard ist, aufgebaut hat … Ob das gut geht?

Seichte und einschlagende Plottwists

Ich muss zugeben, mit dem ein oder anderen Plottwist habe ich sogar gerechnet. Ein wenig vorhersehbar. Was der Geschichte jedoch nichts an Spannung nehmen konnte oder das Buch schlecht gemacht hat. Im Gegenteil. Irgendwie war die Spannung sogar ein wenig erhöht, da ich wissen wollte, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege.

Dann gab es wiederum andere Wendungen in der Story, die es wirklich in sich hatten. Die ich überhaupt nicht erwartet hatte und so hat sich Stück für Stück mein Puzzle aus Fragen zusammensetzt.

Da mich die Autorin mit nur fünf Wörtern fesseln konnte, war meine Erwartung sehr schnell auch recht hoch. Und ich kann euch sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt, war schön zu lesen und absolut spannend. Wie schon das Cover anteasert: Worte verändern die Welt.

Worte sind kostbar

„Ein Wort verändert die Welt“ – so lautet der Untertitel. Da hat die Autorin vollkommen recht. Wörter können die Welt verändern. Sie können schön sein. Liebevoll. Aufrichtig. Voller Mut. Aber sie können auch hasserfüllt sein. Gemein. Voller Wut.
Ich weiß nicht, ob es weit hergeholt sein mag oder ob die Autorin überhaupt darauf abzielt, jedoch steckt für mich noch eine Botschaft hinter der gesamten Story, die auch im Buch sehr schön zusammengefasst ist:

Worte sind zu kostbar, um wahllos mit ihnen um sich zu werfen. […]
Worte verlangen Respekt. Sie sind wunderschön und schrecklich. Sie sind Gabe und Fluch. Ich werde niemals vergessen, was Worte anrichten können.

S.155

Ich selbst bin ein Mensch, der unfassbar gerne redet. Manchmal auch um Kopf und Kragen – da bin ich ganz ehrlich. Doch mit den Jahren habe auch ich gelernt, dass es manchmal besser ist, den Mund zu halten. Klappt zwar nicht immer, doch es wird langsam. Gerade im Affekt, in einer hitzigen Diskussion, verlassen gerne mal unbedachte Wörter unseren Mund. Gerade dann, wenn es am wichtigsten scheint, versagt die Verbindung Hirn-Mund. Und dann ist aller Respekt, all die Liebe, hin. Passiert nicht jedem, aber vielen. Die meisten von uns wissen vermutlich, wie weh Wörter tun können. Aber eben auch, wie wunderschön sie sein können.
Erinnern wir uns lieber an die schönen Worte. Eine Liebeserklärung vielleicht?

Und eben diese Gedanken verleiten mich zu der Annahme, dass eben doch eine Botschaft hinter dem Buch steckt. Was meint ihr?

Fazit
Irgendwie fällt mir spontan „Wenn Worte meine Sprache wären“ von Tim Bendzko ein. Fragt nicht, wie ich darauf komme, doch ich finde es recht passend. Denn darum geht es im Grunde genommen in Project Jane. Was wäre, wenn … Nun, das müsst ihr selbst herausfinden und ich kann es euch wirklich nur empfehlen. Wenn ihr Dystopien und Jugendbücher mögt, dann gehe ich stark davon aus, dass ihr Lynette Nonis Buch in wenigen Tagen lesen werdet. Auch wenn mir die Entscheidungen der Protagonistin Jane nicht immer einleuchtend waren, da sie plötzlich sehr naiv gehandelt hat, tut es der Story keinen Abbruch.
Einfach klasse!


Darum geht’s

Seit zwei Jahren, sechs Monaten, vierzehn Tagen, elf Stunden und sechzehn Minuten bin ich von der Welt weggeschlossen. So lange schon versuchen sie, Informationen aus mir herauszupressen. Sie errzählen mir nicht viel. Alles ist streng vertraulich, höchste Geheimhaltungsstufe. Nur ein paar Eckdaten haben sie mir gegeben. Lengard ist eine geheime Regierungseinrichtung für besondere Menschen, haben sie gesagt. Für Leute genau wie die.

Ich habe Ihnen geglaubt. Das war mein Fehler.
Ich war dumm.
Naiv.
Hoffnungsvoll.


Infos zum Buch:

Titel: Project Jane – Ein Wort verändert die Welt
Autor: Lynette Noni
Seiten: 352
ISBN: 978-3-8415-0597-2
Verlag: Oetinger Taschenbuch Verlag
Erstausgabe: 22. Juli 2019


Mit anderen Worten

„Noni ist es im Auftaktband ihrer Reihe nicht gelungen, eine durchgängig gute Geschichte zu schreiben. Ihre Grundidee hat mich fasziniert. Wenn es ihr im zweiten Band gelingt, diese in eine innovativere Rahmenhandlung einzubetten, dann werde ich ihr Fan! Denkt daran… Worte verändern die Welt!“ – Zeilenliebe

Project Jane – Ein Wort kann die Welt verändern konnte mich richtig überraschen! Gut, dass es (zumindest im Englischen) Nachschub geben wird und das Buch kein Einzelband ist.“ – Friedelchens Bücherstube

„Project Jane von Lynette Noni ist eine unheimlich faszinierende und fesselnde Geschichte mit kleinen Schwächen über Worte, die die Welt verändern. Zwar sind die Grundzüge nichts Neues, aber es sind ausreichend eigene und neue Idee eingebaut, so dass mich die Geschichte begeistern konnte.“ Booknerds by Kerstin

Ein Kommentar zu „[Rezension] Project Jane – Ein Wort verändert die Welt von Lynette Noni

  1. Moin meine Sabbeltasche 😍,

    deine Rezension ist toll geschrieben. Bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich das Buch lesen will. 😅 Das Hirn schreit: Boah, ja, wat spannend! Der Bauch total relaxt: Neej, lass ma lieber bleiben. 😂😂 Und wir wissen ja, wem wir Gehör schenken sollten …

    Aber die Frage: Was wäre, wenn …
    Jaa, was wäre, wenn … wir unsere Münder mit unseren Herzen verbinden würden? Dann wären all unsere Worte reine Liebe. Oder, wie René Borbonus es (weniger prosaisch) ausdrückte: ‚Achte auf deine Worte‘ … ‚Denn am Anfang steht das Wort.‘

    Hab einen Wunder-vollen Tag und fühl dich umarmt. Küssi 😘
    Die Mum

    Gefällt 1 Person

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