Ein neues Klischee in New Adult Büchern – oder: All die erfolgreichen Blogger

Klischee, das
2 a) unschöpferische Nachbildung, Abklatsch

Quelle: Duden

Es gibt Situationen, Beschreibungen, Details, die einem in bestimmten Genres immer wieder begegnen. Irgendwann werden diese Dinge dann zur Hass-Liebe vieler Leser: Klischees.
Ich bin der Meinung, wir befinden uns aktuell genau in einer solcher Situation, der Bildung eines Klischees. Wenn es nicht schon längst eins ist: Die Protagonistin eines New Adult Romans wird in kurzer Zeit zur super erfolgreichen Bloggerin.


Dieser Post kann kleinere Spoiler zu folgenden Büchern enthalten:
Show me the stars
Up All Night

Vielen Dank an dieser Stelle an Tanja, Sabrina und Jule für eure Zeit und euer tolles Feedback! ❤

Ich liebe New Adult Bücher. Aktuell verschlinge ich eins nach dem anderen. Vielleicht ist es mir gerade deshalb aufgefallen: In vielen Storys entscheidet sich die Protagonistin, dass Bloggen genau das Richtige für sie ist und – Zack! – ist sie damit unglaublich erfolgreich.

Versteh mich nicht falsch, ich mag die Bücher, all diese Geschichten und ich mache meine Meinung nicht an dieser Tatsache fest – ganz im Gegenteil, meine Meinung zu den genannten Büchern ist überaus positiv. Allerdings fällt es mir immer mehr auf, dieses eventuelle, neue Klischeee. Und dann frage ich mich, ob es denn keine anderen Berufe gibt, die diese Frauen ausüben könnten? Selbstverständlich freue ich mich irgendwie darüber, wenn ich in einem Buch von Gleichgesinnten lese, keine Frage. Vielleicht geht es dir da ähnlich. Doch ich bin der Meinung, dass der Erfolg dieser Frauen ziemlich plötzlich daherkommt, ohne dass sie groß was dafür tun müssen.

Nehmen wir beispielsweise Show me the stars.
Liv ist Journalistin, verliert ihren Job, zieht auf eine einsame Insel und fängt an zu bloggen. Schon nach ihrem ersten Post rennen ihr die Menschen förmlich die virtuellen Türen ein. Ein Follower nach dem anderen trudelt ein und macht sie in kürzester Zeit zu einer sehr erfolgreichen Bloggerin.

Oder in Up All Night.
Taylor verliert ihren Job bei einem Modemagazin und beschließt nach langem hin und her, Bloggerin zu werden. Durch ihren berühmten Exfreund hat sie die Aufmerksamkeit schnell auf ihrer Seite und wird binnen weniger Posts zu einer wahren Ikone.

Ich weiß, es sind und bleiben immer noch Geschichten. Doch es stört mich. Es kann natürlich sein, dass es mich stört, weil ich eben nicht so hyper erfolgreich bin. Klar wird es Blogger geben, die auf einen Schlag ihre Nische gefunden haben und von heute auf morgen den Erfolg ihres Lebens haben. Da bin ich mir sicher. Doch die meisten von uns zählen eher nicht in diese Gruppe. Und noch weniger können wirklich davon leben. Ich beziehe mich hier wirklich auf Buchblogger. Wie es in anderen Branchen aussieht, kann ich nicht beurteilen.
Bloggen ist in meiner Sicht harte Arbeit. Selten setze ich mich einfach mal kurz hin, tippe etwas, veröffentliche es und das war‘s. Vielleicht mache ich auch etwas falsch? Falls du das Erfolgsrezept schlechthin hast und es teilen möchtest – immer her damit. Ich kenne es leider nicht.

Es ist, meiner Meinung nach, nun einmal so, dass wir sehr viel Arbeit, Geld und Planung in unsere jeweiligen Blogs und die dazugehörigen Social Media Kanäle stecken. Bilder wollen gemacht, Texte geschrieben und formatiert werden. Alles soll in gewisser Weise zusammenpassen, immerhin ist es unser Portfolio, das da draußen in der Welt gesehen wird. Mit Herzblut und Leidenschaft bauen wir uns eine Community auf, stecken unglaublich viel Mühe und Zeit rein und freuen uns über Feedback. Solange es konstruktiv ist.

Tanja hatte auch angemerkt, dass durch diese Darstellung des „schnellen Social-Media-Erfolgs“ auch eine falsche Wahrnehmung erzeugt wird – Bloggen ist keine Arbeit. Und hier kann ich ihr einfach nur recht geben. Wie oft habe ich in den letzten Wochen wieder mitbekommen, dass von Bloggern immer nur gefordert wird. Dass Blogger die günstigste Werbung aller Zeiten ist. Auch das stimmt größtenteils. Ja, wir bekommen oft Rezensionsexemplare. Was dann folgt, das wollen viele nicht sehen. Klar ist ein erstes Bild „schnell“ gemacht. Aber alles was folgt? Du verstehst vermutlich, worauf ich hinaus will …

Bin ich vielleicht ein bisschen zu verbittert? Das kann sein. Wenn man jahrelang Arbeit in etwas reinsteckt und die Resonanz einfach nicht die ist, die man erwartet, dann ist man irgendwann frustriert. Ich habe eine längere Pause hier auf dem Blog hinter mir, das spielt selbstverständlich mit rein, doch auf Instagram habe ich in den letzten Monaten unglaublich viel Mühe reingesteckt. Und dennoch … der Erfolg, von dem ich in meinen aktuell so geliebten Büchern lese? Tja … ich habe ihn bisher nicht gefunden. Und du?

image

Ob es sich hierbei nun um ein neues Klischee handelt oder sogar schon eins ist, das vermag ich nicht zu beurteilen – es wird vermutlich auch erst eins, wenn viele darüber reden oder es vielen auffällt, oder?
Allerdings bin ich der Meinung, dass die Tatsache, dass Protagonistinnen in Windeseile erfolgreiche Bloggerinnen werden, ohne dass sie – laut dem Beschriebenem – großartig etwas dafür tun, die Wahrnehmung verstärkt, Bloggen wäre keine Arbeit und könne mit links und nebenbei gemacht werden …


PS: Jule hat mir erzählt, dass sie beim Testlesen sofort an ein Lied von Kontra K denken musste: Erfolg ist kein Glück
Vielleicht fasst dieser Songtext auch einfach perfekt zusammen, was ich meine …

8 Kommentare zu „Ein neues Klischee in New Adult Büchern – oder: All die erfolgreichen Blogger

  1. Ich glaube ich sollte die Bücher mal lesen und mir ein paar Geheimtipps bekommen, wüsste nämlich echt gerne wie die das machen und was ich falsch mache ;D Weil Erfolg und mein Blog? Zwei Sachen, die nicht zusammen passen. Trotz neuer Seite, trotz neuer Gestaltung und viel Zeit und Liebe für Blogbeiträge. Bestechen sie google, um als kleiner Blog direkt oben angezeigt zu werden? Oder leben sie in einem fiktiven Parallalwelt zu unseren, wo Menschen noch mehr Blogs gelesen haben? 😀 Also klar fiktiv und so, aber wie du sagst zum Schluss, es wird suggeriert, dass ein Blog null Arbeit ist, was einfach nicht stimmt.

    Alles Liebe

    Nadine

    Gefällt 1 Person

    1. Ich weiß es auch nicht … Ich muss gestehen, ich lese in letzter Zeit auch seltener Blogs als noch vor anderthalb Jahren beispielsweise. Da gehöre ich irgendwie auch dazu. Dennoch bin ich eben auf Instagram momentan sehr aktiv. Das ganze Jahr eigentlich schon. Und dann hofft man natürlich irgendwie … Aber was nicht ist, kann ja noch werden 🙂

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  2. Mir ist das bisher noch gar nicht so aufgefallen. Aber super viele Protagonistinnen sind Literatur-Studentinnen – die Erkenntnis hatte ich neulich! 😀

    Aber ich kann dich verstehen. Wenn Protas durch Zufalls aufs Bloggen kommen und plötzlich riesen Erfolge nachweisen können, ist es ein wenig seltsam und auch etwas frustrierend. Ich habe das Gefühl, Blogs werden nicht mehr wirklich gelesen, da ist Instagram viel weiter vorne. Als ich angefangen habe zu bloggen, war stets ein reger Austausch unter meinen Posts und mein Blog ist stetig gewachsen. Seitdem Bookstagram die Bloggerwelt eingenommen hat, ist mein Blog um keinen einzigen Follower reicher geworden, das war vor knapp 1,5 Jahren. Das ärgert dann schon…

    Aber es macht ja trotzdem Spaß und auch wenn die riesen Erfolge wegbleiben, mache ich es gerne 🙂

    Liebst, Lara von Fairylightbooks

    Gefällt 1 Person

    1. Huhu!

      Ja, ich bin selbst in den letzten Monaten viel mehr auf Instagram unterwegs gewesen, als auf Blogs von anderen. Und wundere mich dann, warum bei meinem Blog nichts läuft. Nun … dafür müsste ich vielleicht auch mal wieder was schreiben, oder? Es ist ein Teufelskreis. 😀
      Spaß macht es auf jeden Fall. Auch wenn ich auf dem Blog selbst nicht so aktiv war, so war ich es auf Bookstagram und hatte dort den Austausch. Allerdings ist da dieser Riesenerfolg, von dem in den Büchern immer die Rede ist, auch ausgeblieben. Aber nun ja. Ich mach das ja für mich. Meistens zumindest. 🙂

      Liebste Grüße
      Wiebi

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  3. Hey Wiebi,
    ich kann den Frust nachvollziehen, obwohl ich mich versuche davon los zu machen.
    Liegt daran, dass ich mir wie ein Mantra sage „Es ist ein Hobby, ich verdiene keine Geld damit, es ist ein Hobby, alles kann, nichts muss“.
    Ich inverstiere vielleicht nicht so viel Zeit wie andere BloggerInnen, das gebe ich zu. Ich habe es nicht so mit Fotobearbeitung etc., aber wenn ich sitze und schreibe oder fotografiere oder Mails checke oder Kommentare beantworte, dann ist es Arbeit. Ich liebe es, darin aufzugehen, ich liebe meine Community, aber es darf nicht stressen.
    Daher die Frage, bin ich wirklich glücklicher, wenn ich mehr Follower habe? Stellt mich das nicht unter einen großen Druck? Bin ich der Herausforderung dann gewachsen? Kann ich noch mehr Zeit reinstecken ohne, dass es woanders fehlt?
    Solange ich Blogger nicht als Vollzeitjob machen kann, wird sich bei mir nicht mehr viel tun und die Wertschätzung, die ich bisher bekomme, muss ausreichen und tut es auch.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Hi!

      Ja, das ist die große Frage, die man sich immer mal wieder stellen muss. Mein Freund hat letztens auch zu mir gesagt – als ich mal wieder wie ein Häufchen Elend da saß und geschmollt habe –, für wen ich das denn eigentlich tun würde? Und er hat vollkommen recht. Ich verdiene damit, meistens, kein Geld und demnach sollte ich mir das auch nicht so sehr zu Herzen nehmen. Immerhin ist es ein Hobby, da hast du recht. Aber es fuchst dennoch immer mal wieder und ich kann nie ganz ausschließen, dass es mir nicht zu nahe geht. Aber ich denke, dass ich damit auch nicht alleine bin.

      Liebste Grüße
      Wiebi

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