[Rezension] The Kingdom – Das Erwachen der Seele von Jess Rothenberg

Ist Künstliche Intelligenz in der Lage dazu, sich weiterzuentwickeln? Ja, vielleicht sogar Emotionen zu haben? Etwas zu tun, wozu sie nicht programmiert wurde?
Jess Rothenberg nimmt uns mit auf eine Reise durch einen fantastischen Freizeitpark in dem nichts ist, wie es scheint. Je mehr Glitzer, desto mehr Geheimnisse …


The Kingdom – das Disneyland der Zukunft. Eine Art Mischung aus Freizeitpark, Märchen und Zoo. So ungefähr stelle ich mir das Setting vor. Klingt doch gar nicht so verkehrt. In dieser Erlebniswelt begegnet man nicht nur Schauspielerinnen der anderen Art, sondern auch unzähligen Kreaturen, die schon lange ausgestorben sind. An sich also doch gar nicht so schlecht, oder? Auch wenn es sich hierbei nicht um wirklich Tiere, sondern eine biotechnische, mechanische Variante handelt …

Happily ever after

In The Kingdom dreht sich alles um die sieben Schwestern, die Fantastinnen. Halb Mensch, halb Technologie sind die Mädchen dazu da, den Besuchern ihr ganz persönliches Happily ever after zu bescheren – so lautet die Regel. Denkt man während der ersten paar Seiten noch, wie hübsch und schick und rosa und glitzernd alles ist, kann man kurze Zeit später schon hinter diesen nahezu perfekten Vorhang schauen. Und dahinter ist es unglaublich schmutzig.

Ich fand es ziemlich spannend, alles aus Anas – eine der Fantastinnen – Sicht zu erleben. Wie sie von Kindern angehimmelt wird. Wie sie von einigen Erwachsenen verachtet wird. Weil sie anders ist. In deren Augen unnatürlich. Kein vollwertiger Mensch. Dieser Kontrast war wirklich gut dargestellt. Und auch erschreckend. Was aber noch viel wichtiger ist: Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber dazu komme ich später.

Direkt im ersten Kapitel wird man mitten ins Geschehen geworfen und weiß, dass etwas Schreckliches passiert ist. Und ab da beginnt die Puzzlejagd.
Die verschiedenen Kapitel sind ein Mix aus Anas Sicht, Gerichtsprotokollen, Gesprächen nach dem Prozess und kleinen Storys rund um The Kingdom. Es ist also schon von Beginn an richtig spannend, denn ab der ersten Zeile hatte ich Fragen und wollte wissen, was passiert war.

So viele Regeln … oder doch nicht?

Was ich allerdings ein wenig bemängeln muss: Zu Beginn wird viel von Regeln gesprochen, an die sich die Fantastinnen halten müssen. Dass sie die meiste Zeit mit den Besuchern interagieren müssen, zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Orten sein müssen, es eine abgestimmte „Schlafenszeit“ gibt … Doch davon merkt man irgendwie kaum etwas. Ich hatte sogar das Gefühl, dass Ana kaum etwas von dem getan hat, was man ihr eigentlich vorschreibt. Ständig war sie woanders, teilweise sogar außerhalb des Radars. Dass das keine Aufmerksamkeit erregt hat, stört mich wirklich.

Eine Geschichte zum Nachdenken

Dennoch finde ich es erstaunlich, was das Buch mit mir gemacht hat. Ich habe zwischendrin, wenn ich mal nicht gelesen habe, ziemlich viel nachgedacht. Darüber, ob das alles möglich sein könnte. Ob es irgendwann solche Kreaturen geben wird. Und vor allem, wie die Menschheit darauf reagieren könnte. Seien wir ehrlich: Wir strotzen teilweise nur so von Vorurteilen. Auch wenn viele behaupten, sie hätten keine. Das glaube ich nicht. Jeder hat welche. Ob es ihm gefällt oder nicht. Es gilt eben, diese zu erkennen und damit umzugehen. Wie das aussieht, das ist jedem selbst überlassen. Ich versuche sie zu identifizieren und in irgendeiner Art und Weise nicht über mich herrschen zu lassen. Und das ist gar nicht mal so einfach. Vor allem, weil es mir oft erst spät auffällt.

Da Vorurteile nun mal eben existieren, frage ich mich, wie wir reagieren würden, wenn es solche Kreaturen wie Ana und ihre Schwestern wirklich geben würde. Und sei es „nur“ in einem Freizeitpark. Kinder wären da vermutlich noch am tolerantesten. Aber wir Erwachsenen? Beim besten Willen, ich habe keine Ahnung. Ich vermute jedoch, dass es die Menschheit spalten würde. Sehr sogar.

Schon oberhalb des Klappentextes steht:

Du siehst aus wie ein Mensch.
Du sprichst wie ein Mensch.
Aber kannst du auch fühlen wie ein Mensch?

Ich denke, genau das ist die Frage. Ist es einer Künstlichen Intelligenz möglich, sich weiterzuentwickeln oder ist das nur pures Wunschdenken unsererseits? Werden wir das jemals erfahren? Ich finde, das ist eine ziemlich spannende Sache. Die in The Kingdom wirklich toll dargestellt wird.

Wie schon erwähnt, ich fand es toll, fast alles aus Anas Sicht zu erleben. Sie war mir wirklich sympathisch. So gut wie alle anderen Charaktere waren ziemlich unnahbar, was allerdings Teil der Spannung ist. Es hat wirklich fast bis zur letzten Seite gedauert, bis ich herausgefunden hatte, was vor sich geht. Wie alles zusammenpasst. Die Spannung war von Anfang an da und hat sich wie ein roter Faden durch die gesamte Story gezogen. Das war echt toll!

Jess Rothenberg konnte mich mit The Kingdom – Das Erwachen der Seele für sich und ihr Buch begeistern. Bis auf eine Kleinigkeit fand ich die Geschichte hervorragend. Nicht nur unterhaltsam sondern auch mit Aspekten, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Eine wirklich spannende Story, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde.


Darum geht‘s:

Willkommen in The Kingdom!
In der spektakulärsten Fantasy-Erlebniswelt aller Zeiten ist ›Happily ever after‹ nicht nur ein Versprechen, sondern Gesetz. Zauberhafte Prinzessinnen und biotechnische Kreaturen aus längst vergangenen Zeiten vereinen sich an einem Ort voller Schönheit und Magie. Hier wird dir jeder Wunsch von den Augen abgelesen, und all deine Träume erfüllen sich. Aber sei vorsichtig, was du dir wünschst, denn der Schein trügt, und Märchen können tödlich enden. 


Infos zum Buch:

Titel: The Kingdom – Das Erwachen der Seele 
Autor: Jess Rothenberg
Seiten: 320 
ISBN: 978-3-7891-1407-6
Verlag: Oetinger 
Erstausgabe: 19. August 2019


Mit anderen Worten

The Kingdom – Das Erwachen der Seele ist faszinierend, einnehmend, wahnsinnig fantasiereich und hat mich auch nach dem Lesen nicht mehr losgelassen. Prettytigers Buecherregal

The Kingdom ist wirklich eine gelungene Dystopie und gerade die Einzigartigkeit der Idee dahinter hat mich komplett begeistert. Books have a soul

Die Themen sind wichtig und jeder Einzelne sollte sich schon mal im Leben darüber Gedanken gemacht haben. Wann ist es genug? Schließlich tragen wir eine Verantwortung gegenüber der Welt. Thematisch gesehen, hatte die Geschichte großen Potenzial. An der Umsetzung ist es für mich jedoch leider gescheitert. Lovelyceska

4 Kommentare zu „[Rezension] The Kingdom – Das Erwachen der Seele von Jess Rothenberg

  1. Hallöchen!
    Wow, das Buch klingt unfassbar spannend. Wie eine Mischung aus einem Teil der Lunar-Chroniken und Disneyland. Ich hab das Buch direkt mal auf meine Wunschliste gesetzt, bei der nächsten Buchbestellung ist es dann dabei.

    Hab noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 1 Person

      1. Hi Wiebi,

        erstmal: Ich hab mich voll vertipp! Die Reihe schreibt sich Luna-Chroniken. >.< Sie ist aber super interessant und greift einige Märchenansätze auf, was ich mega spannend finde. Falls du mal reinliest. Ich wünsch dir viel Spaß beim Lesen 🙂

        Liebe Grüße
        Nina

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