[Rezension] Die Leserin von David Bielmann

Eine kurze Geschichte, die mich sehr verwirrt zurückgelassen hat, mit einem Protagonisten, der mir nicht nur suspekt, sondern recht unheimlich ist. Entgegen dem Klappentext definitiv keine Liebesgeschichte.


Endlich vom SuB befreit

Es gibt unglaublich viele ungelesene Bücher in meinen Regalen. Warum also nicht schnell mal eins von diesem unendlich großen Stapel ungelesener Bücher befreien? Zumal es doch nur 100 Seiten sind …

Das dachte ich mir heute Mittag, als ich im Büro vor den Bücherregalen stand und die Auswahl betrachtete. Kurzerhand griff ich zu Die Leserin von David Bielmann. Es ist schon eine halbe Ewigkeit her, dass mich dieses Buch unverhofft erreicht hat – wie so viele andere Blogger:innen auch – und ich denke, es war einfach an der Zeit, es zu lesen.

Lovestory? Weit gefehlt …

Zu Beginn war es ganz in Ordnung. Deutete der Klappentext noch auf eine Liebesgeschichte hin, stellte ich allerdings ziemlich schnell fest, dass das keine der Liebesgeschichten werden würde, die ich sonst immer lese.
Der Protagonist, Daniel Bühlmann – ja, ich weiß, die Ähnlichkeit zum Autorennamen ist verblüffend –, war mir ziemlich schnell unglaublich suspekt. Auf einer Zugfahrt setzt sich eine Fremde neben ihn und beginnt, ein Buch zu lesen. Nichts Ungewöhnliches, würde ich behaupten. Da sie direkt neben ihm sitzt, und er ein wenig neugierig ist, beginnt er, ihr Buch mitzulesen. Auch nichts Ungewöhnliches, die Neugier liegt in der Natur des Menschen. Sie erzählt ihm kurz darauf, dass sie Lisa heißt und Bloggerin ist. Und dann beginnt für mich der eher suspekte Teil: Aus Daniel Bühlmann, einem Mann, der nicht liest, wird nahezu ein Viel-Leser. An sich ist das nicht verkehrt. Doch, dass er genau die Bücher liest, die Lisa gerade liest und sich Gedanken darüber macht, was sie gerade denken könnte … das war unheimlich. Und um Lisas Aufmerksamkeit zu bekommen, beschließt Daniel, selbst ein Buch zu schreiben. Als wenn das so einfach wäre …

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Schreibe darüber, dass du eine Geschichte schreibst …

Ab dem Zeitpunkt verwandelt sich die Story in eine ziemlich abstruse Angelegenheit. Denn plötzlich schreibt der Protagonist, von dem ich lese, die Geschichte, die ich lese. Das war vielleicht verwirrend. Und irgendwie musste ich auch ständig mit den Augen rollen. Ist es denn wirklich so einfach, einen Roman zu schreiben?

In meinem Bekanntenkreis, den ich mir als Bloggerin aufgebaut habe, gibt es so einige Autoren. Ständig sehe und lese ich, wie viel Zeit sie in das Worldbuilding reinstecken, wie sie stundenlang an ihrem Plot schreiben und den Charakteren basteln. Und dann liest du von jemandem, der ins Blaue hineinschreibt und erwartet, dass es ein Meisterwerk ist. Nun … Vielleicht soll es ein wenig Kritik und Ironie an der bestehenden Autoren-/Verlagsszene ausüben? Das ist möglich, dann kam es bei mir allerdings nicht richtig an. Ich denke schon, dass jeder sich hinsetzen und ein Buch schreiben kann. Selbstverständlich. Doch ich denke auch, dass nicht jeder das Zeug zu einem Bestsellerroman hat. Zumindest nicht, ohne Vorarbeit, Lektorat, Testleser und allem, was dazugehört. Der Protagonist hat sich die Sache vermutlich einen Ticken zu einfach gemacht.

Zurück zur Geschichte. Die Begegnung an sich finde ich noch ziemlich süß. Das hat sogar gutes Potenzial, zu einer tollen Lovestory ausgebaut zu werden. Bei dem Potenzial blieb es dann allerdings. Denn alles, was danach kommt, gleicht eher Stalking. Und das ist alles andere als süß und toll. Ganz im Gegenteil.

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Es hätte etwas Tolles werden können, allerdings bleibt es bei dem Versuch. Ich bin der Meinung, dass der Teaser „Eine außergewöhnliche Geschichte über die Macht von Büchern und die Kraft der Fantasie“ ziemlich weit von dem entfernt ist, was ich gelesen habe. Bücher haben Macht, das ist klar. Doch hier war mehr Stalking als alles andere im Spiel.

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Infos zum Buch:

Titel: Die Leserin
Autor: David Bielmann
Seiten: 112
ISBN: 978-1-952-49066-2
Verlag: Riverfield
Erstausgabe: 12. April 2019


Klappentext

Eine außergewöhnliche Geschichte über die Macht von Büchern und die Kraft der Fantasie.

»Es handelt sich, vielleicht hast du es schon befürchtet, um eine Liebesgeschichte. Das mag auf den ersten Blick wenig aufregend sein, doch nach kurzem Kopfschütteln wirst du zugeben müssen, dass du Liebesgeschichten eigentlich magst. Jeder Mensch mag Liebesgeschichten, jedenfalls strebt er früher oder später danach, sich selber in welche zu verwickeln.«

Daniel Bühlmann, ein allein lebender Sonderling, lernt im Zug eine Frau kennen. Sie heißt Lisa, führt einen Leseblog und lebt vor allem im Reich der Bücher. Fortan hat Daniel nur noch ein Ziel: einen Roman zu schreiben, um in Lisas Reich vorzudringen …


Mit anderen Worten

Die Grundidee ist super, aber leider ist die Umsetzung nicht mein Fall. – angeltearz liest

Die Idee hinter der Geschichte war auf jeden Fall gut und hätte mich durchaus überzeuge können. Leider gab es für meinen persönlichen Geschmack von “Liebe” einfach zu viele “Creepy – Stalking” Moment und so konnte mich die Geschichte einfach nicht ganz packen. – read books and fall in love

 

4 Kommentare zu „[Rezension] Die Leserin von David Bielmann

  1. Tachchen, Hüterin des SUBs 😁

    Klingt ganz danach, als hätte der Autor genau das geglaubt: Mal eben ein Buch aus dem Ärmel schütteln. Darf auch gleich ein Bestseller werden. 🙄
    Es mangelt ihm scheinbar nicht an einem großen Ego, wenn sein Protagonist dann auch noch (fast) so heißt wie er selbst.
    Was auch immer ihn bewogen hat zu schreiben – eine Hommage ans Stalking ist nicht gerade ehrenwert. Ob er sich also mit dieser Story einen Gefallen getan hat, wage ich zu bezweifeln.
    Ich zumindest möchte dieses Werk schon mal nicht lesen … 🙄

    Immerhin kannst du dieses Buch endlich von deiner Liste streichen. Soweit der positive Aspekt. 😅
    Schönen Sonntag noch.
    Küssi 😘
    Die Mum

    Gefällt 1 Person

    1. Moin!

      Ja, zumindest ein Buch weniger im Regal, ich sollte es positiv sehen. Es war wirklich ganz furchtbar und mittlerweile frage ich mich wirklich, wieso ich das Buch tatsächlich zu Ende gelesen habe. Eine furchtbare Angewohnheit manchmal 😀

      Ich hoffe, dass nur noch gute Bücher in den Regalen stehen. 😀

      Die Tochter.

      Liken

  2. Liebe Wiebi,

    ach herrje, ich kann mich noch an die Twitterposts erinnern. Keiner wusste, wie ihm geschah, als das Buch in der Post war. Ich bekam damals keins, wusste aber lustigerweise, dass es das Buch gibt. Der Verlag ist recht klein, hatte aber schon einmal ein bezauberndes Kinderbuch veröffentlicht, seidem verfolge ich, was dort verlegt wird. In letzter Zeit ist das aber nicht mehr so doll.

    Nun ja, zur Story hast du alles gesagt, was ging. Traurig, wenn aus einer Idee nur ein guter Slogan wird, aber mehr nicht. Wie hat Mutti gesagt: Vorne hui, hinten pfui.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

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