[Rezension] Einfach nur Fussball spielen von Michael Stilson

Fussballstar zu sein ist der große Traum vieler Kinder und Jugendlicher, der für manche sogar in Erfüllung geht. Michael Stilson erzählt die Geschichte von Fredrik Markussen, einem 16-jährigen Teenager, der nichts anderes möchte, als Fussball zu spielen. Doch auch er muss lernen, dass die Welt weitaus komplizierter ist als er annimmt.

Für immer Fussball zu spielen ist Fredrik Markussens größter Wunsche. Noch eine Woche, dann steigt das große Finale der Saison, ein Spiel, das Fredriks Karriere entscheiden wird. Dass es auf dem Weg zum Profi allerdings nicht nur darum geht, einfach Fussball zu spielen, das hätte er nicht gedacht …

Ziel. Schuss. Tor.

Genau so hat Fredrik sich Fussball vorgestellt. Schuhe an, ab auf den Platz und los geht’s. Aber nur die allerbesten schaffen es, dass ihnen ein Profivertrag angeboten wird. Wie seinem Mannschaftskollegen Matthias – der sogar als Talent gehandelt wird. Was würde Fredrik nur dafür geben, genauso zu sein wie Matthias.

Und hier begegnen wir schon dem ersten großen Thema, um das sich die Geschichte dreht: Neid. Wir alle kennen es. Ich habe zumindest noch keinen Menschen getroffen, der noch nie neidisch war. Ist ja auch nichts dabei. Man muss nur damit umgehen können. Was, um ehrlich zu sein, einfacher geschrieben als getan ist. Zurück zum Buch. Fredrik ist ziemlich neidisch auf Matthias. Immerhin hat dieser das große Los gezogen. Er wird Profi – und verdient nebenbei auch noch richtig gut Geld dabei. Der wahrgewordene Traum! Ich finde es ziemlich gut, wie Stilson das Thema im Buch untergebracht hat. Neid kann einen anspornen, sich mehr anzustrengen, ebenso gut kann dieses Gefühl einen jedoch auch von innen heraus auffressen und sehr beeinflussen.

Autobiografie?

Michael Stilson hat die Geschichte in meinen Augen sehr realitätsnah gestaltet, man könnte fast meinen, sie wäre ihm selbst genau so passiert. Immerhin ist er selbst Fussballprofi gewesen. Wer weiß, vielleicht hat das Buch ja autobiografische Züge. 🙂 Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Neid, Missgunst und der Kampf um einen guten Platz in der Mannschaft sich exakt so abspielen kann.

Fredrik Markussen oder der Junge, der nicht kommuniziert

Bei diesem Buch hatte ich es mal wieder mit einem Protagonisten zu tun, der mich in den Wahnsinn getrieben hat. Ich hätte ihn gefühlt jede zweite Seite schütteln können! Und wieso? Weil er nicht kommuniziert! Er frisst einfach aaaaaaaaalles in sich rein und stolpert so von einer Katastrophe in die nächste. Fuuuuurchtbar, sag ich euch. Aber so ist das vermutlich als Teenager. Zumindest bei manchen.

Im Grunde genommen begleitet uns diese Tatsache das gesamte Buch über. Er hat so viel Angst andere zu enttäuschen, das Falsche zu tun, nicht gut genug zu sein, dass genau das eintrifft. Wie gesagt, eine Katastrophe nach der anderen.

Allerdings lässt er sich auch unglaublich herumschubsen, was mich auch ziemlich wütend gemacht hat. Zu gerne hätte ich geschrien: Jetzt sag doch endlich was! Mach endlich den Mund auf! Lass dir das nicht gefallen! Das hat mich dann wieder ganz schön an mich selbst in meiner Schulzeit erinnert. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.
Eine Sache, die sich mir durch dieses Spiel erschlossen hat: Nur weil man gut im Sport ist, heißt das noch lange nicht, dass man beliebt ist. Oder aus einer perfekten Familie kommt. Im Gegenteil. Fredrik ist ein Scheidungskind, das es alles andere als leicht hat in seinem familiären Umfeld und beliebt ist er auch nicht wirklich. Vor allem hat er einen besten Freund, den ich nicht einmal meinem ärgsten Feind wünschen würde. Mit Erik braucht man in meinen Augen auch keine Feinde, der reicht für sich selbst schon aus. Merkt man kaum, dass ich den Charakter nicht leiden kann, oder?

Wie schon erwähnt beeinflusst ihn auch sein familiäres Umfeld ziemlich arg. Seine Mum hat mehrere Jobs, damit sie über die Runden kommen und sein Dad … der war selbst mal angehender Profifussballer, allerdings ist er irgendwann ziemlich abgestürzt und zu einem unglaublich egoistischen, kranken Menschen geworden. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was das für Fredrik bedeutet.

Spannende Plottwists

Michael Stilson weiß, wie man seine Leser fesselt. Zum einen beginnt das Buch mit einer Szene kurz vor dem großen Finale, um das sich die Geschichte dreht. Zum anderen geschieht nichts so, wie ich mir das vorgestellt habe. Wenn ich dachte, dass sich die Story nach links drehen würde, hat sie sich nach rechts gedreht und umgekehrt. Es war ein sehr spannendes Auf und Ab und hat das Buch für mich in einen absoluten Pageturner entwickelt.
Durch die Vorschau auf das Ende war ich teils drauf und dran zu schauen, was am Ende passiert, ob es ein Happyend gibt oder nicht, allerdings konnte ich mich doch davon abhalten, mich selbst zu spoilern. Auch wenn mich das wirklich Kraft und Nerven gekostet hat. 😀

Einfach nur Fussball spielen ist ein Jugendbuch bei dem es um so viel mehr als nur Fussball geht. Sollte dich Fussball also nicht interessieren bedeutet das nicht, dass dieses Buch nichts für dich ist. Fredrik Markussen durchlebt innerhalb einer Woche sämtliche Höhen und Tiefen, die man sich nur vorstellen kann und Stilson konfrontiert einen mit Wendungen, die man so nicht vorhersehen kann. Alles in allem ein sehr gelungenes Debüt des ehemaligen Fussballprofi, das gleichermaßen Jugendliche wie Erwachsene begeistern kann.

Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an dieser Stelle an die Netzwerkagentur Bookmark und den Arctis Verlag für die Bereitstellung.


Infos zum Buch:
Titel: Einfach nur Fussball spielen
Autor: Michael Stilson
Seiten: 256
ISBN: 978-3-03880-041-5
Verlag: Arctis
Erstausgabe: 19. Februar 2021

Der sechzehnjährige Fredrik Markussen steht vor dem wichtigsten Spiel seiner jungen Karriere, dem Finale um die nationale Meisterschaft. Er ist in bestechender Form und der Traum von einem Profivertrag in Reichweite. Doch in den Tagen vor dem großen Finale ändert sich alles: Auf einmal muss Fredrik sich mit seinem Vater, Vereinsvertretern und einem Berater auseinandersetzen und sich darüber klar werden, was ihm tatsächlich wichtig ist – der Fußball, seine Familie oder seine erste Liebe zu seiner Jugendfreundin Line. Und dann, kurz vor dem Spiel, erfährt Fredrik, dass er nicht auf seiner Stammposition als rechter Flügelstürmer, sondern als Rechtsverteidiger spielen soll …

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