[Rezension] Eisenwolf von Siri Pettersen

In Sachen epischer Fantasy kann man Siri Pettersen nichts vormachen, das wissen wir seit der Rabenringe-Trilogie. Die Queen of Nordic Fantasy ist nun mit dem Auftakt ihrer neuen Reihe zurück – und der hat es in sich!

Hinweis: Danke an den Arctis Verlag und prointernet bookmark für das Rezensionsexemplar.

Handlung

Juva ist die Tochter einer der mächtigsten Blutleserinnen in Naklav und hat so überhaupt keinen Bock auf ihr Erbe, ihr Vermächtnis. Wäre sie doch nur die Tochter einer anderen! Da das leider nicht möglich ist, hält sie sich so fern wie nur möglich von ihrer Mutter – und ihrer Schwester. Die findet das Blutleserinnen-Dasein im Gegensatz zu Juva wahnsinnig toll.
Doch dann holen Juva Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein und sie kann sich nicht mehr vor dem verstecken, was sie wirklich ist: eine Blutleserin. 

Spannung ab dem ersten Wort

Der Einstieg in Eisenwolf fiel mir um einiges leichter als damals bei Odinskind. Ob es daran liegt, das ich die Welt schon ein wenig kenne oder mit dem Schreibstil Siri Pettersens vertraut bin, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Doch auch wenn man mit dem Worldbuilding oder dem Schreibstil nicht vertraut ist: keine Bange. Ab der ersten Zeile schmeißt Siri Pettersen ihre Leser so gnadenlos ins Geschehen, dass man gar nicht anders kann als mitzufiebern. Zum Glück laufen wir einen Marathon und kein Wettrennen, denn bei diesem Tempo würde es schwer werden, dauerhaft mitzuhalten. Das hat sich die Autorin vermutlich auch gedacht und schon bald kehrt ein klein wenig Ruhe in die Geschichte ein. Denn zuerst einmal müssen die Charaktere Stück für Stück vorgestellt werden. Immerhin wollen wir ja wissen, mit wem wir es zu tun haben.

Doch keine Sorge – es wird ganz und gar nicht langweilig! Man muss schon höllisch aufpassen und wirklich konzentriert lesen, um alles mitzubekommen. Leichte Kost ist Eisenwolf definitiv nicht. Dafür macht sie aber umso mehr Spaß! Ich habe nicht nur einmal zurückgeblättert und ein paar Seiten zum zweiten Mal gelesen, nur weil ich das Gefühl hatte, ich hätte etwas verpasst. Habt ihr schon mal dieses Puzzle gesehen, das nur aus schwarzen Teilen besteht? So ungefähr hab ich mich zeitweise mit diesem Buch gefühlt. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo das Ganze hinführen würde. Und das war spitzenklasse!
Ich war also selten auf der richtigen Fährte, denn Siri Pettersen weiß, wie sie ihre Leser in die Irre lenken kann, doch den Spaß hatte ich. 

Tiefgründige Charaktere

Neben einem genialen Worldbuilding, das ich, wie schon erwähnt, zum Teil schon aus den Rabenringen kannte, ist auch der Charakteraufbau unglaublich gut gemacht. Ich hatte wieder meine absoluten Hass-Charaktere, solche, die ganz passabel waren und wiederum andere, die ich ziemlich genial fand. 

Jedoch bin ich mir auch nach über 500 Seiten immer noch nicht sicher, ob ich Juva wirklich mag. Versteht mich nicht falsch, sie ist ein überaus spannender und gut konstruierter Charakter, der Tiefe und Stärke aufweist. Das heißt allerdings noch lang nicht, dass sie dementsprechend auch sympathisch ist. Ich habe sie immer noch nicht ganz durchschaut. Dafür hab ich zum Glück auch noch zwei weitere Bände Zeit.

Wie schon erwähnt ist es immer wieder klasse, wenn Siri Pettersen die einzelnen Handlungsstränge zusammenfließen lässt, denn erst dann wird einem der ein oder andere Charakter plötzlich transparent. Erst dann versteht man, wieso die Dinge passiert sind, wie sie passiert sind. Und das macht alles umso fesselnder. 

Selbstverständlich ist Juva nicht der einzige Charakter des Buchs, allerdings würde eine weitere Ausschweifung meinerseits dann doch ein wenig spoilern – was ich tunlichst vermeiden möchte.

Ein Sprachgebrauch zum Abgewöhnen

Was mich tatsächlich ein wenig gestört hat – weshalb ich auch denke, dass eine Altersempfehlung ab 14 Jahren zu niedrig angesetzt ist –, war die teils sehr vulgäre und obszöne Sprache, die vor allen in den Kapiteln stattgefunden hat, in denen es um Rugen ging. Es mag Menschen geben, denen das nichts ausmacht oder die gerade das mögen. Ich allerdings konnte solch einem Sprachgebrauch noch nie etwas abgewinnen, was vermutlich einen großen Teil dazu beiträgt, dass es mich so gestört hat. Glücklicherweise sind Rugen nicht allzu viele Kapitel zu teil geworden, weswegen sich dieser spezielle Sprachgebrauch wiederum in Grenzen gehalten hat.

Eisenwolf ist ein unglaublich gut gelungener, absolut spannender Auftakt der neuen Trilogie von Siri Pettersen. Es war toll, wieder in die nordische Fantasywelt einzutauchen, nahezu episch. Ich freue mich schon jetzt auf den kommenden Band und bin wahnsinnig gespannt auf die Abenteuer, die uns mit Juva erwarten. Mein einziger negativer Kritikpunkt ist und bleibt die derbe Sprache, die einfach nicht mein Fall ist.
Eine Sache noch: Nehmt Euch ein paar Minuten für die Widmung. Ich liebe die Autorin für ihre Widmungen!


Infos zum Buch:

Titel: Eisenwolf
Autor: Siri Pettersen
Seiten: 544
ISBN: 978-3-03880-042-2
Verlag: Arctis
Erstausgabe: 18. März 2021

Juva ist eine Blutleserin, will es aber auf keinen Fall sein: Sie hat sich geschworen, niemals eine von jenen zu werden, die es aufgrund ihrer Fähigkeiten nur auf Macht und Geld abgesehen haben. Doch als ihre Familie von den Vardari bedroht wird, den Unheimlichen, niemals Alternden, wird Juva in die Jagd nach dem Erbe der Blutleser verwickelt: ein dunkles Geheimnis, das einst die Welt verändert hat und es möglicherweise wieder tun wird. Doch Juva hat ihr eigenes Trauma zu bewältigen, denn sie hat den Teufel gesehen …


Mit anderen Worten

Eisenwolf ist rauh, düster, facettenreich und ein bisschen dreckig – als würde man beim Lesen förmlich selbst das Wolfsblut an sich kleben spüren. – Ginny Galaxy

Die neue Reihe von Siri Pettersen überrascht mit Herzklopfen, Gänsehaut und ungeahnten Wendungen in einer düsteren, raueren und kühleren Welt. – Buchstabenzauber

ch werde immer noch ganz hibbelig, wenn ich daran zurückdenken, wie es sich während des Lesens angefühlt hat, die ganzen Zusammenhänge zu entdecken und die Beweggründe der Charaktere zu verstehen. Es ist einfach so perfekt … – Faanielibri

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.